Die Stimmung ist besser als die Umsatzerwartung

Jahresausblick der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern für 2016

Ludwigslust-Parchim | 05.01.2016

Foto: Thinkstock,iStock, ferlistockphoto
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"Die Stimmung bei den Unternehmern in Mecklenburg-Vorpommern ist verhalten optimistisch und hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert", erläutert heute Manfred Lehde, Vizepräsident der Vereinigung der Unternehmensverbände die Umfrageergebnisse zum Jahresausblick der Verbände auf das neue Wirtschaftsjahr.

Nach der Eintrübung Ende 2014 habe sich die Stimmung der Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern Ende 2015 im Vergleich zum Vorjahr sichtbar verbessert. Die Optimisten bestimmten zwar nach wie vor nicht das Bild, dennoch sei ihr Anteil um 10 Punkte auf 34 Prozent gestiegen.

„Nach wie vor überwiegen die Unternehmen, die eher von einem gleichbleibenden Verlauf des neuen Wirtschaftsjahres ausgehen. Sie dominieren das insgesamt ausgewogene, verhalten optimistische Stimmungsbild. Erklären lässt sich der gewachsene Optimismus mit dem Eindruck, dass auch die weniger industriell geprägten Branchen im Mecklenburg-Vorpommern von der insgesamt guten Konjunktur im zurückliegenden Jahr profitieren konnten“, erklärt Manfred Lehde weiter.

Auffällig sei dennoch, dass selbst diese positive Erwartung nicht Schritt halte mit dem Optimismus der deutschen Wirtschaft insgesamt. Mecklenburg-Vorpommerns niedriger Industrieanteil sorge dafür, dass entsprechende Umsatzerwartungen der hiesigen Firmen tendenziell zurückhaltender ausfallen würden als im deutschen Durchschnitt. Die zweite Ursache liege vor allem beim Fachkräftemangel. Hier sei Ostdeutschland und insbesondere Mecklenburg-Vorpommern besonders stark betroffen.

„Die derzeit gute Lage bei Konjunktur und Arbeitsmarkt darf jedoch nicht über die großen Probleme hinwegtäuschen, die bereits wichtige Branchen betreffen und insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen bedrohen.

Die öffentlichen Investitionen sind immer noch zu schwach und die notwendigen Anpassungen an die demografische Entwicklung sind noch nicht vollzogen. Das gilt sowohl für die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme als auch für den zunehmenden Fachkräftemangel“, warnt Verbändevertreter Lehde.

Negative Auswirkungen staatlicher Überregulierung, wie Mindestlöhne und Rentenreform, seien nur durch die gute Verfassung der deutschen Wirtschaft, niedrige Ölpreise, den schwachen Euro und eine exportfördernde Niedrigzinspolitik aufgefangen worden. Die allgemeine positive Stimmung bei den Verbrauchern und gestiegene Löhne hätten zudem den Konsum unterstützt. Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass gleichzeitig die Lohnstückkosten deutlich gestiegen seien.

„Nachdenklich muss jedermann der Zustand und die Stimmung in der Metall-und Elektroindustrie - dem ‚Herz der Wirtschaft‘ - machen. Wenn die deutsche Kernindustrie schwächelt, hat dies über kurz oder lang auch Auswirkungen auf die Zulieferer und Dienstleister in Mecklenburg-Vorpommern. Deutlich dünner werdende Auftragsbücher und eine zu niedrige Auslastung sind ernste Warnsignale“, stellt Manfred Lehde fest.

Deshalb bestehe aus Sicht der Vereinigung der Unternehmensverbände dringender Handlungsbedarf für die Politik.

„Niemand sollte sich auf die Stabilität der aktuell guten Konjunkturwerte zu sehr verlassen oder gar ausruhen. Die ungeklärte Euroschuldenkrise sowie die Herausforderungen durch die Flüchtlingswelle werden voraussichtlich auch einen nachhaltigen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern haben. Deshalb braucht die Wirtschaft jetzt alle Unterstützung der Politik, um die guten Voraussetzungen aus dem zurückliegenden Jahr effektiv nutzen und verstärken zu können. Dazu gehören unter anderem der massive Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie eine kluge Integrationspolitik“, erklärt VUMV-Vizepräsident Lehde weiter.

Die wichtigste Unterstützung wäre allerdings, 2016 die stetig steigenden Belastungen für die Arbeitgeber zu stoppen. Das Arbeitsrecht dürfe nicht noch weiter reguliert werden. Zeitarbeit und Werkverträge seien wichtige und notwendige Instrumente, die nicht eingeschränkt oder erschwert werden dürften.

„Zukünftige Arbeit wird gekennzeichnet sein durch verstärkte Digitalisierung, engere Beziehungsgeflechte und einen enormen internationalen Wettbewerb. Das erfordert von den Unternehmen schon heute wesentlich mehr Flexibilität. Politik und Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns müssen daher auf Bundesebene energisch ihr Veto gegen die Absicht zur gesetzlichen Neuregelung von Zeitarbeit und Werkverträgen sowie gegen ein geplantes Entgeltgleichheitsgesetz einlegen“, fordert Manfred Lehde.

Die Umfrage zum Jahresausblick 2016 zeige: die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern brauchen mehr Mitarbeiter als im Vorjahr und nehmen ihre Verantwortung für eine positive Beschäftigungsentwicklung wahr – unter anderem mit der bundesweit höchsten Ausbildungsquote. Die Umfragewerte belegten, dass die meisten Branchen von insgesamt stabilen Mitarbeiterzahlen ausgingen.

Allerdings seien auch hier negative Zeichen nicht zu übersehen. Kaum einem Unternehmen falle es leicht, geeignete Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Fast durchgängig werde Handlungsbedarf in diesem Bereich signalisiert. Der Fachkräftemangel sei bereits sehr real geworden.

„Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern wird sich deshalb an der gemeinsamen Entwicklung zielgenauer Konzepte mit der Politik beteiligen, um in- und ausländischen Fachkräften und Auszubildenden, jungen Menschen ohne Schulabschluss, Ausbildungs- und Studienabbrechern, Langzeitarbeitslosen sowie Rückkehrern aus der Eltern- oder Pflegezeit erfolgreiche Wege in Ausbildung und Beschäftigung zu ermöglichen“, kündigt Verbändevertreter Lehde an.

Die gute Arbeitsmarktlage müsse genutzt werden, um einerseits Langzeitarbeitslose gezielter zu fördern und in Ausbildung und Beschäftigung auf dem Ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Andererseits sollte die Integration von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive in Beschäftigung und Ausbildung deutlich verbessert werden. Notwendig sei ein entsprechendes Landeskonzept, das sowohl Finanzmittel der EU, des Bundes und des Landes bündele als auch die kommunalen Rahmenbedingungen für Erwerbstätigkeit – wie Wohnraum, Kinderbetreuung sowie Bildungs- und Sozialinfrastrukturen – auf einen möglichst nachhaltigen Integrations- und Klebeeffekt ausrichte, erklärt VUMV-Vizepräsident Manfred Lehde abschließend

Hintergrund:

Der „Jahresausblick der Wirtschaft“ basiert auf einer gemeinsamen Umfrage der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände und Ihrer Dachorganisation, der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV). Dabei werden jährlich im Dezember die Mitgliedsunternehmen aller Wirtschaftsregionen und Branchen in Mecklenburg-Vorpommern befragt.

Die VUMV ist die Dachorganisation von 29 Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern und zugleich Landesvertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Landesvereinigung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Die Mitgliedsverbände der VUMV repräsentieren mit ihren circa 5.000 Mitgliedsunternehmen und etwa 200.000 Arbeitnehmern knapp 50 Prozent aller Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern ab einer Größe von 10 Mitarbeitern.

Manfred Lehde ist Vizepräsident der VUMV und Vorsitzender des Allgemeinen Verbandes der Wirtschaft Norddeutschlands - AGV NORD.

VUMV

 

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