VUMV: Mindestlohn erschwert erschwert Geringqualifizierten den Einstieg in Arbeit

Erste Erfahrungen mit gesetzlichem Mindestlohn in MV

Ludwigslust-Parchim | 23.06.2015

Mindestlohn-Umfrage der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV)
Mindestlohn-Umfrage der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV)

Sieben von zehn befragten Firmen in Mecklenburg-Vorpommern bewerten die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns negativ, nur eines von 20 Unternehmen sieht positive Effekte. Das ist das Ergebnis der ersten Mindestlohn-Umfrage der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV), an der über 500 Betriebe aus den Bereichen Industrie, Dienstleistungen, Handel und Handwerk teilgenommen haben.

„Bereits zum jetzigen, relativ frühen Zeitpunkt deutet sich an, dass mit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Produktivität und Entlohnung von einfachen Tätigkeiten nicht mehr übereinstimmen. Die Bürokratielast nimmt drastisch zu, Arbeit verteuert sich und die Preise vor allem in Dienstleistungsbereichen steigen. Das gefährdet Arbeitsplätze und erschwert vor allem Geringqualifizierten den Einstieg in Arbeit", sagt Verbandspräsident Thomas Lambusch heute in Schwerin.

Nur sechs Prozent der betroffenen Unternehmen hätten die Möglichkeit, steigende Arbeitskosten über höhere Preise weiterzugeben. Über ein Drittel der Firmen sehe dafür jedoch keinerlei Spielraum.

„Unsere Umfrage zeigt, dass fast 40 Prozent der antwortenden Unternehmen eine Komprimierung des gesamten Lohngitters erwarten. Demnach sind auch höher qualifizierte Mitarbeiter negativ vom Mindestlohn betroffen, wenn zum Beispiel Leistungsvergütungen schmaler ausfallen oder der Lohnabstand zu einfachen Tätigkeiten verkürzt wird“, stellt Verbändepräsident Lambusch fest.

„Das mag derzeit durch eine für die deutsche Wirtschaft vorteilhafte konjunkturelle Sondersituation noch aufgefangen werden. Schwieriger könnte es allerdings werden, wenn sich die weltwirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern und auf die Auftragslage hiesiger Unternehmen durchschlagen. Völlig abwegig sind deshalb Überlegungen, den gesetzlichen Mindestlohn noch weiter anzuheben“, warnt Thomas Lambusch.

„Besondere Sorge bereitet uns, dass offenbar Praktikumsplätze zu Lasten von Unternehmen und Fachkräftenachwuchs verloren gehen werden. Der Mindestlohn erschwert besonders kleinen Firmen die Möglichkeit, junge Leute über ein Praktikum erste betriebliche Erfahrungen sammeln zu lassen. Die Sogwirkung von Ballungszentren mit großen Firmen, wie Hamburg und Berlin, wird zunehmen“, befürchtet Thomas Lambusch.

Die VUMV werde im Auftrag ihrer Mitgliedsverbände und deren Unternehmen die Umsetzung des Mindestlohngesetzes in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin kritisch begleiten. Gemeinsam mit der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit und dem Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales MV sollen die Gesetzeswirkungen durch ein von der VUMV entwickeltes und abgestimmtes Monitoringverfahren beobachtet sowie regelmäßig bewertet werden. Darüber hinaus sei mit dem Wirtschaftsausschuss des Landtages eine gemeinsame Bewertung der Mindestlohnauswirkungen im vierten Quartal 2015 vereinbart worden, erklärt Verbändepräsident Thomas Lambusch abschließend.

Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV)

 

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