33. Verbandsversammlung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

Ermrich: Brüssel gefährdet bewährte Bankenstrukturen

Ludwigslust-Parchim | 23.10.2015

Geschäftsführendre Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich auf der 33. Verbandsversammlung. Copyright: Thomas Koehler/ photothek/ Geschäftsführendre Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich auf der 33. Verbandsversammlung. Copyright: Thomas Koehler/ photothek/

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Dr. Michael Ermrich, scharf kritisiert. „Die Niedrigzinspolitik hat ihr Ziel klar verfehlt. Sie schädigt  Sparer, Versicherungsnehmer und Kreditinstitute mit regional orientiertem, bodenständigem Geschäftsmodell und gefährdet die volkswirtschaftliche Stabilität und das Mittelstandsgeschäft“, sagte Ermrich am Freitag auf der OSV-Verbandsversammlung in Potsdam. „Wir brauchen eine Politik, die tatsächlich spürbare Wachstumsimpulse setzt, dafür ist die Niedrigzinspolitik nicht geeignet, wie die Erfahrung der zurückliegenden Monate zeigt.“

Auch die Regulatorik habe ihr Ziel verfehlt. Er erinnerte daran, dass die überbordende und kleinteilige Regulatorik eigentlich die Spekulationen der großen Investmenthäuser eindämmen sollte, um so eine neue Krise zu verhindern. Im Ergebnis würden die großen Investmenthäuser weitermachen wie bisher und den kleinen Kreditinstituten weltweit der Hals abgeschnürt. „Wenn das das Ergebnis der Finanzmarktregulierung ist, dann hat diese versagt", betonte Ermrich.

Beispielhaft verwies Ermrich auf die aktuell diskutierten Kreditmeldeanforderungen unter dem Kürzel AnaCredit. Bereits ab 2018 sollen alle Kreditinstitute Kredite auch in geringer Höhe melden, und zwar auf individueller Basis alle Kredite ab 25.000 Euro je Kreditnehmer, bei Zahlungsstörungen oder wertgeminderten Krediten bereits ab 100 Euro je Kreditnehmer.  

Nach Schätzungen der Bundesbank wären das etwa 90 Millionen quartalsweise bzw. monatlich zu meldende Kredite, mit je über 170 Datenattributen, die in verschiedenen Kategorien gruppiert werden müssten.

Die EZB, die Europäische Bankenaufsicht und die EU-Kommission greifen mit ihrer Niedrigzinspolitik und Bankenregulierung massiv in Bankenstrukturen ein. Kleine Kreditinstitute würden zu Fusionen gezwungen und aus dem Markt gedrängt, so Ermrich weiter. „Diese europäischen Institutionen überschreiten ihre Kompetenz und verstoßen gegen die EU-Verträge“.

Mit dem Geschäftsverlauf der 45 OSV-Sparkassen im Jahr 2015 zeigte sich Ermrich insgesamt zufrieden. Besonders erfreulich sei die Entwicklung im Kreditneugeschäft. Mit über 6,6 Mrd. Euro erreichten die Darlehenszusagen erneut einen Höchststand.Der Einlagenbestand wuchs bis Ende August um weitere +1,7 Mrd. Euro auf annähernd 92 Mrd. Euro. Zum Jahresende erwartet der Verband ein Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von 1,19 Mrd. Euro nach 1,24 Mrd. Euro im Vorjahr. Die Risikovorsorge werde sich weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen.

OSV