Arbeitsmarkt November

Zum Saisonende weniger Entlassungen als üblich

Vorpommern-Greifswald | 01.12.2015

Beratungsgespräch; Foto: Bundesagentur für Arbeit
Beratungsgespräch; Foto: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen ist im Agenturbezirk Greifswald im Vergleich zum Vormonat erwartungsgemäß von 13.572 auf 14.317 angestiegen. „Regelmäßig melden sich zum Saisonende insbesondere Menschen aus der Tourismusregion Usedom zum November arbeitslos“, sagt Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur Greifswald.

Bemerkenswert sei aber, dass der Anstieg mit einem Plus von 745 deutlich moderater ausfiel als noch in den Vorjahren. „Die Arbeitgeber aus den saisonal geprägten Branchen versuchen verstärkt, ihre Fachkräfte auch über die Wintermonate zu halten“, erklärt er weiter. Mit einer Arbeitslosenquote von 14,3 Prozent konnte somit der niedrigste Wert der letzten Jahre registriert werden. Dennoch zählte die Geschäftsstelle Wolgast, zu welcher auch Usedom gehört, mit 569 den höchsten Zugang an arbeitslosen Männern und Frauen. 

Fast alle Personengruppen profitierten von der insgesamt guten wirtschaftlichen Lage.

Steigende Zahlen wurden hingegen bei den arbeitslosen Ausländern registriert. Gegenüber dem Vorjahr weist die Statistik hier einen Anstieg von 481 auf 658 Personen aus. Die größte Gruppe von den 177 neu registrierten Arbeitslosen kommt erwartungsgemäß aus der Arabischen Republik Syrien.

„Nach der Bewilligung ihres Asylantrags werden viele Flüchtlinge nicht sofort im Arbeitsmarkt Fuß fassen können und Unterstützung brauchen. Mit einigen Ende Oktober in Kraft getretenen Gesetzesänderungen können wir diese Hilfe künftig noch schneller und sogar vor dem Abschluss des Asylverfahrens organisieren. So werden in Vorpommern-Greifswald in den Monaten November und Dezember etwa 400 Asylbewerber und Asylbewerberinnen in einen durch die Arbeitsagentur finanzierten Sprachkurs einsteigen“, nennt der Agenturchef ein Beispiel. „Schon während des Kurses werden dann erste Gespräche in der Arbeitsvermittlung geplant, um mit den aus ihrer Heimat geflohenen Menschen ihre beruflichen Möglichkeiten zu besprechen“, so Miraß weiter.

Für diese zusätzlichen Aufgaben erhalten die Arbeitsagentur Greifswald und die beiden Jobcenter im Kreis zusätzliche finanzielle Mittel, deren Verwendung im Moment geplant wird.

Auch im November unterstützten Arbeitsagentur und Jobcenter Bewerber und Firmen mit verschiedenen Arbeitsmarktinstrumenten. Erkennbarer geschäftspolitischer Schwerpunkt ist dabei die Unterstützung des Einstiegs in den ersten Arbeitsmarkt, während der zweite Arbeitsmarkt weiter an Bedeutung verlor. So sank beispielsweise gegenüber dem Vorjahr die Zahl der 1 €-Jobs und der Arbeitsplätze im Bundesprogramm „Bürgerarbeit“ von 1.509 auf 990, während gleichzeitig die Anzahl geförderter Weiterbildungen von 927 auf 958 und die Zahl der Einstellungszuschüsse von 693 auf 729 anstieg.

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen

Anklam 15,0 Prozent,
Greifswald 10,0 Prozent,
Pasewalk 14,5 Prozent,
Ueckermünde 14,3 Prozent,
Wolgast 11,4 Prozent 

Die stärksten Rückgänge im Vorjahresvergleich wurden mit minus 9 bzw. minus 9,3 Prozent im nördlichen Kreisteil registriert. In den Geschäftsstellen Pasewalk und Ueckermünde fiel der Rückgang mit minus 2,6 und minus 5,9 Prozent deutlich geringer aus. In Ueckermünde wurden im Jobcenter sogar 44 Personen mehr als im Vorjahr gezählt. 

Stellenmarkt 

Im November konnten noch einmal 450 neue Arbeitsangebote eingeworben werden, fast genauso viele wie im November des Vorjahres (467). Insgesamt betreuen die Vermittlerinnen und Vermittler des Arbeitgeberservice aktuell 1.516 offene Arbeitsstellen. Erfreulich ist der deutliche Anstieg des Anteils unbefristeter Stellen von 64,5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 71,8 Prozent. 

Im Dienstleistungsbereich ist mit 569 Offerten derzeit die größte Nachfrage zu verzeichnen. Große Bedarfe signalisierten jedoch auch das Gastgewerbe (170), das Gesundheits- und Sozialwesen (158) und das verarbeitende Gewerbe (134). 

Ausblick 

Für Dezember ist saisonal bedingt mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Schwer abzuschätzen sind die Auswirkungen der anhaltenden Flüchtlingsbewegungen. Hier muss kurzfristig mit einem spürbaren Anwachsen der Arbeitslosenzahlen über die üblichen Saisontrends hinaus gerechnet werden. „Unsere Aufgabe ist es, die geflüchteten Menschen mit aller Kraft dabei zu unterstützen möglichst schnell ein von Sozialleistungen unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich durfte in den letzten Wochen viele gut qualifizierte und sehr hoch motivierte Menschen kennenlernen, die sich nichts mehr wünschen, als ihr Schicksal in der neuen Heimat in eigene Hände zu nehmen“, so Heiko Miraß abschließend.

 

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