Nordland Mühlen GmbH

Vom Naturprodukt zum Mehl mit konstanter Qualität

Vorpommern-Greifswald | 26.09.2016

Nordland Mühlen GmbH - GoodMills Deutschland
zur Bildergalerie zur BildergalerieAus Getreide wird Qualitätsmehl, Foto: Gudrun Stark

Die Transporter mit dem Schriftzug Mehl aus Jarmen sind in der Region allgegenwärtig. Doch wie sieht es im Inneren einer Mühle so aus. Die Jarmener Mühle liegt direkt an der Peene und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Seit 1907 wird hier aus Getreide Mehl. Ein Bild von der Produktion machten sich am Donnerstag Landrätin Dr. Barbara Syrbe, Steffen Piechullek von der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern und Marco Kümmel, Leiter des Jobcenters Nord in Greifswald.

Die Nordland Mühlen GmbH wurde 1907 als Jarmener Kunstmühle errichtet. Den Namen „Kunstmühle“ verdankt sie ihrem Antrieb mittels künstlicher, sprich elektrischer Energie. 1922 erwarb der Unternehmer Kurt Kampffmeyer die Jarmener Mühle – zusätzlich zu seinen Betrieben in Berlin, Potsdam, Mannheim, Köln und Hameln – und baute schließlich die größte Mühlengruppe in Deutschland auf. Noch heute trägt das Wappen am historischen Gebäude die Initiale „K“ für den Mühlenverbund.

Die Nordland Mühlen GmbH in Jarmen ist umgeben von bester Infrastruktur: Ein Autobahnanschluss, Bundes- und Landesstraßen kreuzen sich im Stadtgebiet. Doch die direkte Kaikante spielt heute für die Mühle keine Rolle mehr. Früher wurde das Mehl via Schiff nach Stettin geliefert. Heute gehört die Nordland Mühlen GmbH zum österreichischen GoodMills-Konzern. In der Nordland Mühlen GmbH sind 28 Mitarbeiter beschäftigt. Der Beruf des Müllers, der heute ganz modern Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft heißt, biete gute Aufstiegschancen durch verschiedene Aufstiegsfortbildungen.

Mühlenwirtschaft unterlag einem Konsolodierungsprozess

Die Mühlenwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel vollzogen. Es gab aufgrund der Industrialisierung des ursprünglichen Handwerks einen Konsolidierungsprozess, wie er nun auch der Landwirtschaft bevorsteht, prognostiziert Standortleiter Eduard Haidl. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mühlen gab es 1950 in Deutschland noch fast 19.000 Mühlen. Bereits 1980 waren es ca. 2.500. Heute hingegen sind es gerade noch 550 Mühlen. Von diesen vermahlen 213 mehr als 1.000 Tonnen im Jahr und werden daher in der amtlichen Statistik erfasst. Die Mühlen in Deutschland arbeiten eng mit den Rohstofflieferanten, den Landwirten zusammen. Ebenso stehen sie in der Verantwortung gegenüber den Bäckereien und der Lebensmittel- sowie Tierfutterindustrie.

Regionalität und Diversität 

In Jarmen wird vor allem Getreide aus der Region verarbeitet. Bis zu 40.000 Tonnen Weizen und 20.000 Tonnen Roggen werden jährlich hier zu bekannten Markenmehlen verarbeitet. Die Produktion ist auf neuestem technologischem Stand und hat gleichzeitig ihren handwerklichen Charakter beibehalten. Damit ist das Unternehmen in der Lage, neben der Feinmüllerei ein breites Sortiment an Spezialprodukten wie Schrote, Flocken, Ummantelungsmehle und Streumehle anzubieten. Seit einem Jahr wird auch Dinkelmehl hergestellt. Die Nachfrage nach diesem Getreidemehl wächst seitens der Verbraucher. Dass die Nordlandmühlen verschiedene Produkte herstellen, ist in der Branche nicht gewöhnlich und gibt dem Standort Jarmen ein Alleinstellungsmerkmal, das der Mühle den mittelfristigen Bestand sichert, erklärt Standortleiter Eduard Haidl. Abnehmer sind im Sommer vor allem die regionalen Bäckereien jeder Größe. Die Nachfrage in den Tourismusregionen ist so groß, dass die Produktion damit ausgelastet ist. Im Herbst, wenn wieder mehr Ruhe ins Land einkehrt, wird die Lebensmittelindustrie auch wieder mehr beliefert. Mehl aus Jarmen, das zuvor als Getreide auf den Äckern in Mecklenburg-Vorpommern wuchs, wird auch in den Pizzen von Dr. Oetker verarbeitet.

Vom Naturprodukt zum Mehl mit konstanter Qualität

Das gesamte Gebäude an der Peene vibriert während des Mahl- und Siebvorganges. Die Erschütterungen haben dem historischen Bauwerk bislang nicht ernsthaft etwas anhaben können. „Die Holzkonstruktion kann sehr viel abfedern“, erklärt Eduard Haidl.
Das Getreide kauft die Mühle in Jarmen direkt bei den Landwirten. Die Landwirte liefern ein Naturprodukt. Selbst von einem Getreidefeld geerntetes Getreide hat unterschiedliche Qualitätsmerkmale. Die Mühle muss jedoch immer die gleiche Qualität liefern. Eduard Haidl vergleicht den Verarbeitungsprozess mit der Tätigkeit der Winzer, der Verschnitt zu einer guten Cuvée ist das Ziel des Müllers. Hier wird aber nicht das Mehl, sondern das angelieferte Getreide auf unterschiedlichen Qualitäten analysiert und auf unterschiedliche Silos aufgeteilt, um die optimale Balance zu finden. Erst diese Durchmischung ist Basis für die gleichbleibende Qualität. Der Prozess des Mahlens ist heute hochtechnisch: Das Getreide wird zunächst gereinigt dabei auch von Spelzen und Fremdkörpern gesäubert, die einzelnen Körner werden durch eine Maschine auf Farbfehler untersucht. Dann erst wird das Korn unter Zugabe von Feuchtigkeit gemahlen. In einem mehrstufigen Verfahren wird das Korn von seinen mehreren Schalenschichten und dem Keimling befreit. Immer wieder werden die Schalenteilchen ausgesiebt. Am Ende des Entstehungsprozesses ist das Mehl so fein wie gewünscht. Viele Parameter kann man technisch messen und analysieren, doch auch das Fühlen des Mahlgutes ist unersetzlich. Auch Gries ist eine Vorstufe des feinen Mehls, wie es in der Bäckerei verwendet wird. Die Reste in diesem Verarbeitungsprozess nennt man Kleie. Diese wird in der Tierzucht als Futtermittel wegen seiner Inhaltsstoffe geschätzt.

Ernährungswissenschaft könnte Debatten versachlichen

Standortleiter Eduard Haidl weiß, dass die Weizenqualität aus Mecklenburg-Vorpommern einzigartig ist. Ob diese Qualität langfristig geliefert werden kann, sieht er skeptisch. Die neue Düngemittelverordnung könne sich dabei als Fallstrick für die Norddeutschen Landwirte herausstellen. Es wäre daher seiner Ansicht nach sinnvoll, bestimmte Verordnungen nicht so allgemein zu verfassen, sondern auf die Region und deren Bedürfnisse herunter gebrochen werden. Beim Thema Ernährung prallen zudem oft verschiedene Ansichten aufeinander. So sei es in diesem Punkt sehr wünschenswert, wenn die Ernährungswissenschaft sich zu Themen mehr profiliere und die Diskussion so versachlicht werden können.

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