Traditionelle Industriestandorte zu neuem Leben erweckt

Unternehmerverband Vorpommern e.V. feiert 25-jähriges Jubiläum

Vorpommern-Greifswald | 10.04.2017

(v.l.) Gerold Juergens, Ingo Warncke, Dietrich Lehmann, Dr  Stefan Rudolph, Foto: Anette Pröber
(v.l.) Gerold Juergens, Ingo Warncke, Dietrich Lehmann, Dr Stefan Rudolph, Foto: Anette Pröber

Der Unternehmerverband Vorpommern e.V. mit über 240 Mitglieds-Unternehmen blickte anlässlich seines 25. Gründungsjubiläums stolz auf das Erreichte zurück. „Anfang der 90er Jahre brauchte es Menschen, die nicht nur den Aufbau und die Sicherung ihres eigenen Unternehmens im Blick hatten, sondern sich auch für die Region stark machten. 

1992 schlossen sich eine Handvoll Unternehmer zu einem Netzwerk zusammen, um gemeinsam für eine moderne Infrastruktur und kluge Ansiedlungspolitik zu streiten und Vorpommern eine Zukunft zu geben“, sagte Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes, der diesen seit 1996 führt und zu einer starken Interessensvertretung ausgebaut hat. In den Anfangsjahren bestimmten Förderprogramme für Existenzgründungen und Neuansiedlungen sowie die Entwicklung der Infrastruktur die Verbandsarbeit. Heute stehen Fachkräftemangel, Digitalisierung und Energiewende im Fokus. „Der Mindestlohn ist für Industriearbeitsplätze seit Jahren kein Thema. Wir bezahlen Westtarif, damit wir hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigen können“, erklärte Dietrich Lehmann, Vizepräsident des Unternehmerverbandes Vorpommern und Chef der ME-LE Gruppe in Torgelow. Stolz verwies er darauf, dass so mancher Vorpommer wieder zurück in die Heimat geholt werden konnte.

Rudolph: „Vorpommern ist nicht arm“

Vorpommern werde oft zu Unrecht als „arm“ bezeichnet, liege aber nicht hinter den sieben Bergen und sei erst recht kein Zwerg, betonte Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die zwei Landkreise mit ihren rund 470.000 Einwohnern haben in den letzten 25 Jahren einen imposanten Aufschwung erlebt. Enorm ist die Steigerungsrate bei den Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die nach einem Rückgang bis 2005 auf nur rund 114.000 Beschäftigte in den letzten Jahren wieder auf 154.000 (+35 Prozent) im Juni 2016 gesteigert werden konnte. Der Landkreis Nordwestmecklenburg legte im gleichen Zeitraum um 9 Prozent und der Landkreis Ludwigslust-Parchim um 11 Prozent zu. Im Jahr 2016 konnte mit einem Rückgang um 9,9 Prozent die Arbeitslosigkeit in Vorpommern sogar stärker reduziert werden als im Land Mecklenburg-Vorpommern insgesamt (9 Prozent). Von 2004 bis 2016 ging die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen von rund 53.700 auf 26.600 Arbeitslose zurück (-51 Prozent).

Staatssekretär Rudolph hob die Anstrengungen des Wirtschaftsministeriums hervor, zielgerichtet und effektiv zu investieren. Seit 1990 wurden in Vorpommern rund 3.000 Investitionen mit einem Volumen in Höhe von 5,1 Milliarden Euro durchgeführt, diese wurden mit Zuschüssen in Höhe von insgesamt 1,3 Milliarden Euro durch das Land unterstützt.

Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wie die A20, in die Häfen oder die technologieorientierte und touristische Infrastruktur zahlen sich aus. Millionen Menschen suchen alljährlich in den Kaiserbädern auf Usedom, auf der Insel Rügen oder auch im ruhigeren Peenetal Entspannung und Urlaubsfreuden. Deutschlandweit besitzt die Urlaubsregion einen herausragenden Ruf. Das Reisegebiet Vorpommern ist mit über 2,1 Millionen Ankünften und mehr als 9,8 Millionen Übernachtungen in 2016 die touristisch erfolgreichste Region des Landes.

Doch nicht nur im Tourismusbereich wurden Erfolgsgeschichten geschrieben. „In Vorpommern wurden viele neue zukunftsfeste Arbeitsplätze geschaffen, daneben auch Arbeitsplätze über die Wendezeit gerettet“, betonte Präsident Gerold Jürgens.

Traditionelle Industriestandorte zu neuem Leben erweckt

Beispielsweise wurden die traditionellen Industriestandorte Lubmin und Torgelow zu neuem Leben erweckt. In Lubmin wird der Rückbau des Kernkraftwerkes durch die RIS Industrie- und Kraftwerksservice GmbH & Co. KG vorangetrieben. Es ist der weltweit größte Abbau einer kerntechnischen Anlage. Mehr als zwei Millionen Tonnen Stahl und Beton werden abgetragen, zerlegt und von radioaktiver Strahlung befreit. Rund 200 Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen, das Geschäftsführer Ingo Warncke seit Anfang der 90er Jahre leitet. In zwei großen Werkhallen werden darüber hinaus Stahlbauteile gefertigt und montiert, Turbinen, Pumpen und Armaturen geprüft und repariert. Neben RIS gibt es auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes Lubmin weitere Industrieansiedlungen wie die von Gerold Jürgens geleitete IRB ISO-Rüst-Bau GmbH.

In Torgelow hat die Eisengießerei eine 250-jährige Tradition. Mit modernster Technik und fortschrittlichen Fertigungstechnologien werden heute Rohgussteile mit einem Stückgewicht von bis zu 115 Tonnen hergestellt und weltweit agierende Unternehmen beliefert. Spezialisiert ist die 400-Mitarbeiter-Firma auf Gussteile für Windkraftanlagen. Größter Arbeitgeber in Torgelow ist mit über 500 Mitarbeitern die ME-LE Unternehmensgruppe, die von Dietrich Lehmann geleitet wird. Das Unternehmen besitzt Know-how in Sachen Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik sowie Gebäudemanagement.

Neue Wirtschaftszweige und Forschungsstätten

Zu den traditionellen Branchen in Vorpommern - Tourismus, Schiff- und Metallbau, Hafenwirtschaft, Land- und Nahrungsgüterwirtschaft - haben sich neue Wirtschaftszweige hinzugesellt. Dazu zählen die Biotechnologie, Informations- und Kommunikationswirtschaft sowie Life Sciences. Erfolg verbucht beispielsweise die Cheplapharm Arzneimittel GmbH in Greifswald, die weltweit Nischenprodukte für seltene Erkrankungen vertreibt und jährlich ca. 100 Millionen Euro Umsatz generiert. Greifswald ist mit seiner altehrwürdigen Universität und vielen Forschungsstätten im Umfeld ein lebendiges Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Herausragende Leistungen werden am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie oder am Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems erbracht.

Seit Mitte der 90er Jahre können Herzpatienten in Vorpommern zudem auf eine wohnortnahe, moderne Versorgung vertrauen. Zuvor gab es in Mecklenburg-Vorpommern nur ein herzchirurgisches Zentrum am Uniklinikum Rostock. Mit dem Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg entstand ein Klinikum, das weltweiten Standards gerecht wird und heute auf seinem Campus rund 450 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt haben sich in Vorpommern über 20.000 Unternehmen mit 150.000 Beschäftigten angesiedelt.

Anette Pröber- Küstenwort

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