Orthopädietechnik-Firma bietet ambulante Plasmabehandlung zur Wundheilung an

Innovativer Homecare-Service eines Greifswalder Spezial-Unternehmens

Vorpommern-Greifswald | 18.12.2018

Beate Genkel, Bereichsleiterin Homecare bei OTaktiv, erklärt die Hyperspektralkamera zur Wunddokumentation. Fotos: A.Pröber
Beate Genkel, Bereichsleiterin Homecare bei OTaktiv, erklärt die Hyperspektralkamera zur Wunddokumentation. Fotos: A.Pröber

Manche Wunden widerstehen hartnäckig jeder Behandlung, nässen und schmerzen, wollen nicht zuwachsen. Für solche Fälle wird seit ein paar Jahren deutschlandweit sehr erfolgreich physikalisches Plasma zur Wundheilung angewandt. Das kalte Plasma tötet selbst multiresistente Keime und gibt Impulse zur Zellneubildung. Bislang wird die kostenintensive Medizintechnik vor allem in Kliniken eingesetzt. In Mecklenburg-Vorpommern will ein Greifswalder Orthopädietechnik-Unternehmen nun einen ersten ambulanten Service mit dem Hoffnungsträger Plasma aufbauen.

Neue Chancen für alte Wunden – unter diesem Motto stellte die Orthopädie-Technik-Service aktiv GmbH  in Greifswald Ärzten, Pflegepersonal und Wissenschaftlern den in Mecklenburg-Vorpommern neuartigen Patientenservice vor. Die ausgebildeten Pflegekräfte und Wundexperten von OTaktiv wollen ab Dezember in Absprache mit den behandelnden Ärzten die ambulante Wundversorgung auf ein qualitativ höheres Niveau heben und die in Kliniken begonnene und bewährte Plasmatherapie zur besseren Heilung fortsetzen.

„Als Orthopädietechnik-Spezialisten sehen wir viele Patienten mit Wunden und Läsionen. Wir versorgen sie fachgerecht mit Produkten der Maßorthopädie, Rehatechnik und Verbandsmaterial und leiden mit ihnen, wenn sie nach ein paar Wochen zu Hause erneut nässende und schmerzende Wunden haben“, sagte Frank Starkowski, Geschäftsführer von OTaktiv. Das Unternehmen mit ca. 80 Mitarbeitern fertigt an den Standorten Greifswald, Neubrandenburg und Rostock orthopädische Produkte, unterhält 13 Sanitätshäuser und einen umfangreichen Homecare-Service. In Vorbereitung auf das neue Geschäftsfeld suchte der Unternehmer den Kontakt zu den Wissenschaftlern im INP Greifswald, die durch ihre Forschungen den ersten Plasmajet auf den Weg brachten. Er informierte sich bei den Anbietern der innovativen Medizinprodukte und suchte das ausführliche Gespräch mit Medizinern. Zuspruch erfuhr er u.a. von Dr. Christian Seebauer von der Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie der Unimedizin Greifswald, der gute Erfahrungen mit Plasmabehandlungen von Schleimhauterkrankungen gesammelt hat. Probleme und Grenzen setzen vor allem die ökonomischen Zwänge. Für eine Chirurgische Gemeinschaftspraxis, so der Neubrandenburger Chirurg Jens Eschenburg, seien neue Innovationen kaum bezahlbar.

Im Süden Deutschlands gibt es bereits positive Erfahrungen mit der netzübergreifenden Weiterführung der Plasmatherapie nach einem Krankenhausaufenthalt. Dr. Dirk Wandke, Geschäftsführer der CINOGY GmbH in Duderstadt bei Göttingen, verkauft sein Medizinprodukt PlasmaDerm sehr erfolgreich. Dieses Medizinprodukt ist klein und einfach zu bedienen und für die mobile Behandlung und Pflege mit Plasma geeignet. „Ich gehe die Kooperation mit den Greifswaldern gern ein, weil ich glaube, dass sie ihr Handwerk verstehen und bereits gut vernetzt sind.“

„Wir sind uns bei der Plasmatherapie der Verantwortung gegenüber den Patienten bewusst“, erklärte Beate Genkel, Bereichsleiterin Homecare bei OTaktiv. „Für diese Aufgaben im Unternehmen kommen nur examinierte Pflegekräfte und erfahrene Wundexperten in Frage.“ Mit der modernen Hyperspektralkamera TIVITA werde das Team zudem kontaktlos Gewebeveränderungen, Durchblutungsparameter und somit die Wundheilung dokumentieren. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird eine große Herausforderung, welche die Greifswalder für ihre Kunden klären werden. Das neue Homecare-Projekt ist startklar.

Annette Pröber

 

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