CO2-frei im Jahr 2050!

Greifswald schnürt ambitioniertes Maßnahmenpaket

Vorpommern-Greifswald | 10.10.2017

Jeannette von Busse und Michael Busch, Foto: Pressestelle Hansestadt Greifswald
Jeannette von Busse und Michael Busch, Foto: Pressestelle Hansestadt Greifswald

Betriebliche Fuhrparkmanagements, Ökostrom für städtische Gebäude, wieder vernässte Moore im Stadtgebiet, autofreie Wohnquartiere oder die Einführung einer „grünen“ Hausnummer für energetisch sanierte Eigenheime – das sind nur einige von insgesamt 55 Maßnahmen, mit denen Greifswald bis zum Jahr 2050 nahezu CO2-frei sein möchte. 

Gleichzeitig soll der Energieverbrauch im Vergleich zu 1990 halbiert werden. Enthalten sind diese Vorschläge im fast 200seitigen „Masterplan 100 % Klimaschutz“, der ab 16. Oktober in den bürgerschaftlichen Gremien beraten wird. Die Universitäts- und Hansestadt gehört damit zu bundesweit 22 Kommunen, die sich ein solches ehrgeiziges Klimaschutz-Ziel setzen. Unterstützt wird sie vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Der Bund will mit den Masterplan-Kommunen Leuchttürme des nationalen Klimaschutzes schaffen, an denen sich andere Städte orientieren können. 

„Schon seit vielen Jahren verfolgt Greifswald anspruchsvolle Ziele beim Klimaschutz“, erinnerte Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder bei einem Pressegespräch. „Der Masterplan ist nun die konsequente Weiterführung der bisherigen Anstrengungen. Mit ihm zeigen wir auf, wie diese Ziele erreicht werden können. Ob wir sie tatsächlich umsetzen, liegt auch an jedem einzelnen. Man kann Klimaschutz nicht befehlen. Wenn wir diese ambitionierten Ziele schaffen wollen, geht das nur gemeinsam mit allen Greifswalderinnen und Greifswaldern.“ „Auf dem Weg der Umsetzung wird die Stadt die Bürger begleiten“, versicherte die Senatorin für Bauen und Umwelt, Jeannette von Busse. Als ein Beispiel präsentierte sie eine druckfrische Broschüre zum energieeffizienten Sanieren und Bauen als Handreichung für private Bauherren. Gleichzeitig bedankte sie sich bei allen Beteiligten, die dieses umfangreiche Konzept in nur einem Jahr erarbeitet haben. 

Masterplan-Manager Michael Busch erläuterte, wie ein gangbarer Weg aussehen könnte. „Wenn beispielsweise unser Gebäudebestand soweit energetisch saniert würde, dass er lediglich etwa ein Drittel weniger an Energie für Heizung und Warmwasser benötigt und wir den verbleibenden Bedarf hauptsächlich über Fernwärme, Solarenergie und Geothermie decken, kommen wir unseren Zielen schon einen großen Schritt näher. Strom sollte generell aus erneuerbaren Energien gewonnen werden und wir müssen die Bedeutung des Autos in unserem Mobilitätsverhalten grundlegend überdenken. Tatsache ist - ein solches Umdenken muss in allen Bereichen erfolgen, egal ob kommunale Einrichtungen, Industrie, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen, private Haushalte oder beim Verkehr.“ Allerdings sind wir als Stadt auch von externen Faktoren, wie bspw. Gesetzesänderungen abhängig, auf die wir nur bedingt Einfluss haben. 

Die Stadtverwaltung gehe in Sachen Klimaschutz mit gutem Beispiel voran, betonte Bausenatorin Jeannette von Busse. „Dank der Gebäudeleittechnik und einem Energiemanagement ist der Energiebedarf in kommunalen Gebäuden stetig zurückgegangen.“ Allerdings sei der Strombedarf aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Sondertechnik wie z.B. der Lüftungsregelung oder Bewegungsmeldern gleich geblieben. Neue Gebäude würden nach dem Prinzip des nachhaltigen Bauens errichtet. „Ganz aktuell bemüht sich die Stadt zudem um den Ausbau der Elektro-Mobilität in Greifswald. Wir wollen in Kooperation mit den Stadtwerken nach sinnvollen Standorten für E-Ladesäulen suchen, so die Senatorin. In den nächsten Jahren werde auch ein städtisches zentrales Fuhrparkmanagement angestrebt. 

Greifswald – gefördert durch die Nationale Klimaschutzrichtlinie 

Als einzige Stadt in Mecklenburg-Vorpommern hatte Greifswald zum 1. Juli 2016 vom Bundesumweltministerium den Zuschlag für einen „Masterplan 100% Klimaschutz“ erhalten. Das Vorhaben wird zu 95 Prozent aus Bundesmitteln finanziert, nur 5 Prozent der Kosten sind durch die Stadt selbst zu tragen. Die Förderung erstreckt sich über einen Zeitraum von 4 Jahren. Im ersten Jahr war ein Konzept zu erarbeiten, das beschreibt, mit welchen ökologischen und wirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen der Energiebedarf der Stadt gesenkt werden kann und wie alle Akteure einbezogen werden können. In den nun folgenden drei Jahren kann aus den Masterplanmitteln ein konkretes Projekt umgesetzt werden. Greifswald erhält für die Aufstellung eines solchen Masterplans einschließlich der Finanzierung einer Personalstelle über vier Jahre verteilt insgesamt 389.000 Euro. Es ist das zweite Mal nach 2010, dass ein solches Programm ausgelobt wurde. Bei der ersten Kampagne erhielten insgesamt 19 ausgewählte Kommunen und Landkreise den Zuschlag, darunter Rostock als einzige ostdeutsche Stadt.

Greifswald setzt strategische Ziele beim Klimaschutz um 

Bereits 2010 hatte die Bürgerschaft ein Klimaschutzkonzept für Greifswald beschlossen. Damit setzte sich die Stadt das Ziel, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 14 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Zur Umsetzung unterschiedlichster Aktivitäten wurde das Klimaschutzbündnis Greifswald 2020 gegründet. Ihm gehören Unternehmen und Einrichtungen mit hohem Energieverbrauch an, darunter die Stadtverwaltung, die Universität, die beiden großen Wohnungsunternehmen, die WITENO GmbH, die Firma Adtran, die Sparkasse Vorpommern sowie der wichtigste ortsansässige Energieerzeuger, die Stadtwerke. 2015 folgten Klimaschutz-Teilkonzepte speziell zu den Themen Wärme und Mobilität. 

Was wurde in den letzten Jahren in Greifswald erreicht? 

Im Jahre 1990 stieß Greifswald mit damals noch 66.251 Einwohnern rund 518.000 Tonnen CO2 aus, der Energieverbrauch lag bei etwas über einer Million MWh. Im Jahre 2015 mit 57.286 Einwohnern betrug der CO2-Ausstoß 312.000 Tonnen bei circa 979.000 MWh Energieverbrauch. Das entspricht einem Rückgang von knapp 40 Prozent bei den Treibhausgas-Emissionen und 8,5 Prozent beim Energieverbrauch.

Hansestadt Greifswald 

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