Müller und Wulff

App-Monetarisierung durch Effizienzgewinn

Vorpommern-Greifswald | 10.04.2017

Foto: monkeybusinessimages / iStock / thinkstock
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Mit der Öffnung des Apple App Stores im Sommer 2008 für externe App Entwickler begann ein Goldrausch in der Entwicklergemeinde. Mit einfachen Spielen und Spielereien, wie zum Beispiel iBeer, war es möglich Millionen zu verdienen. Dies führte in der ersten Phase zu einem Überfluss an häufig sinnfreien aber unterhaltsamen Apps, die die Top Listen dominierten. Damals war die Formel zum Geld verdienen relativ einfach. Je mehr Downloads ich erziele, desto mehr Geld verdiene ich. Nachhaltige Geschäftsmodelle wurden erst im Laufe der Zeit entwickelt.

Neun Jahre später ist der Markt „erwachsen“ geworden und es haben sich klare Modelle zur Monetarisierung einer App herauskristallisiert. Die Flut an Apps in den Stores von Apple und Google zwang die Entwickler nachhaltige Modelle zu entwickeln, um auch in einer Nische überleben zu können.

Bisherige Standardmodelle der Monetarisierung

  • kostenpflichtiger Download
    Die einfachste Variante ist eine App für einen bestimmten Preis in den App Stores anzubieten. Der Kunde zahlt einmalig einen Betrag, Apple oder Google behalten ca. 30 bis 40% des Verkaufspreises ein und der Entwickler erhält den Restbetrag ausgezahlt.
    Dies macht eine Kalkulation insofern einfach, als dass man im Vorfeld nur wissen muss, wieviele Apps verkauft werden müssen, um die notwendige Gewinnspanne zu erreichen. Laufende Kosten sollten hierbei jedoch nicht vernachlässigt werden.
  • Werbung / Affiliate Links
    Wer seine App kostenlos zur Verfügung stellt, bedient sich häufig der Einbindung von Werbung. Eine Vielzahl von Werbeplattformen bietet hier ihre Dienste an. Die gängigsten Varianten sind eine Abrechnung pro Einblendung (pay per impression), pro Klick (pay per click) oder pro Installation einer anderen App (pay per install).
    Damit dieses Modell rentabel wird, ist es notwendig eine hohe Retention (Wiederkehrende Nutzer) zu erzielen. Je häufiger ein Nutzer die Werbung in meiner App sieht bzw. darauf klickt, desto höher ist mein Return on Invest in Bezug auf die Kosten der Nutzerakquisition. Es gibt Unternehmen, die auf die Analyse von Werbekampagnen und Nutzerverhalten in den Apps spezialisiert sind, zum Beispiel das Unternehmen adjust aus Berlin.
  • in-App-Käufe
    Apps mit In-App-Käufen werden häufig kostenlos zum Download angeboten und bieten dann die Möglichkeit in der App weitere Leistungen kostenpflichtig freizuschalten. Ähnlich wie beim kostenpflichtigen Download behalten Apple und Google wieder 30 bis 40% des Verkaufspreises ein.
    Dieses Modell ist häufig in Spielen zu finden, wo entweder eine In-Game-Währung gekauft oder neue Level freigeschaltet werden können. In non-Game-Apps wird dieses Modell häufig für die Freischaltung weiterer Funktionen in der App genutzt. Die Hürde liegt hier darin eine möglichst hohe Conversion-Rate zu erzielen, d.h. die Nutzer zum Kauf zu bewegen.
  • Verkauf materieller Güter oder Dienstleistungen
    Dieser Ansatz ist die Verlängerung des klassischen E-Commerce. Die App wird als Plattform betrachtet, um die eigene Zielgruppe auf mobilem Wege zu erreichen. Hier kommen sowohl klassische Online Shops, als auch Tausch- und Vermittlungsplattformen in Frage.
    Eine Gebühr fällt hier in der Regel nicht an.
  • Abonnements
    Apps müssen für Ihre Nutzer einen dauerhaften Mehrwert darstellen, damit die App auf dem Smartphone bleibt. Das bedeutet entweder, dass es regelmäßig neuen Inhalt geben muss oder ein wiederkehrender Nutzen durch die App-Funktionalität an sich entsteht. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden gibt es zwangsläufig eine Anbindung an das Internet, was mit laufenden Kosten in der Serverwartung und natürlich der Bereitstellung von immer neuen Inhalten einhergeht.
    Diese laufenden Kosten sollen dann möglichst auch mit laufenden Einnahmen gedeckt werden. Dies lässt sich mit Abo-Modellen relativ leicht realisieren.

Industrie 4.0 – Monetarisierung durch Zeitersparnis

Alle bisher genannten Modelle der Monetarisierung begreifen eine App als eigenständiges Produkt. Doch wer an dieser Stelle aufhört weiter zu denken, verschenkt das Potential mobiler Technologie. Unter dem Marketingbegriff Industrie 4.0 versuchen die Bundesregierung, die Landesregierungen und die Industrie- und Handelskammern die deutsche Industrie in das digitale Zeitalter zu bewegen.

Die deutsche Industrie zeichnet sich durch eine gnadenlose Effizienz aus. Jede Minute an Zeitersparnis sind gesparte Euro in der Produktion. Genau an dieser Stelle müssen die Gedanken der App-Monetarisierung weitergehen. Hier muss man die Frage stellen: Welche Prozesse in meinem Unternehmen kann ich über eine App abbilden, um Zeit zu sparen?

Aus der unternehmerischen Praxis ist bekannt, dass noch immer sehr häufig mit Papier und Excel-Tabellen gearbeitet wird, die händisch gepflegt werden. So steht z.B. der Wartungsmonteur einer industrietechnischen Anlage mit Zettel und Stift vor der Anlage und arbeitet seine Checkliste ab. Zurück in der Zentrale wird der Zettel abgetippt und in das EDV System eingespielt. Das Abtippen kostet Zeit und ist fehleranfällig. Je nach Umfang und Häufigkeit solcher Vorgänge lässt sich sehr schnell das Einsparpotential durch eine App-gestützte Erfassung der Daten ermitteln.

Datenerfassung und Verarbeitung per App lässt sich auf alle Bereiche in denen noch Zettel und Stift zum Einsatz kommen ausweiten. Hier ist die Kenngröße dann nicht mehr die Anzahl der Downloads oder Nutzer, sondern wieviel Zeit wird in Summe mit dieser App im Unternehmen eingespart.

David Wulff

David Wulff ist Gründer und Geschäftsführer des App-Entwicklungs-Unternehmens Müller & Wulff GmbH und der App-Schmiede rapidrabbit aus Greifswald. Die Müller & Wulff GmbH bietet iOS und Android App Lösungen für Unternehmen an.

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