Biobasiertes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum

2. BioÖkonomie Konferenz in Anklam

Vorpommern-Greifswald | 22.10.2015

BioÖkonomie Konferenz in Anklam
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Was macht wirtschaftlich Sinn in der Region Vorpommern? Die klare Antwort des Anklamer Bürgermeisters Michael Galander: „Investitionsförderung in die Bioökonomie“. Er freute sich, am 21. Oktober zum zweiten Mal Teilnehmer zur BioÖkonomie Konferenz in der 13.000-Einwohner zählenden Stadt zu begrüßen. Federführend bei der Organisation überzeugten Dr. Jens Uwe Heiden in seiner Funktion als Technologie- und Innovationsberater der Universität Greifswald und der IHK Neubrandenburg sowie Dr. Olaf Strauß als Technologie- und Innovationsberater der Hochschule Neubrandenburg und der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern.

Was aber ist die Bioökonomie? Es ist der Weg zu verlängerten Wertschöpfungsketten, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nutzen. Die Bioökonomie basiert auf neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und schlägt eine Brücke zwischen Technologie, Ökologie und effizienter Wirtschaft. Mit der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ werden wesentliche Ziele der Bundesregierung für die nächsten Jahre in fünf prioritären Handlungsfeldern verfolgt: weltweite Ernährungssicherheit, nachhaltige Agrarproduktion, gesunde und sichere Lebensmittel, biobasierte, stofflich-industriell genutzte Produkte und Verfahren sowie Energieträger auf Basis von Biomasse. Im Fokus der Bioökonomie stehen nicht zuletzt auch der Umwelt- und der Naturschutz, denn der Strukturwandel hin zur biobasierten Wirtschaft geht einher mit der Vermeidung von CO2-Ausstoß durch die Minimierung von Transportwegen und begrenzter Ressourcen.

Produkte heute bereits erhältlich

Natürliche Ressourcen und Produkte hat die Menschheit schon immer genutzt. Letztlich sind das Reinigen mittels der Zitronensäure und das Bierbrauen auch ein Vorgang der Bioökonomie. Doch mit der Erforschung der kleinsten Prozesse, die zum gewünschten Ergebnis führen und der Materialien eröffnen sich ganz neue Horizone. Bridgestone, Hersteller von Reifen und anderen Gummierzeugnissen, konnte Anfang Oktober vermelden, erfolgreich den ersten Pkw-Reifen produziert zu haben, bei dem der Naturkautschukanteil zu 100 Prozent durch natürliches Gummi der Guayule ersetzt werden konnte. Der Reifenhersteller Continental hat erste erfolgreiche Testreihen von Reifen auf Basis von Naturkautschuk aus der Wurzel des kasachischen Löwenzahns vermeldet und testet derzeit neue Motorlager im Bereich der Schwingungstechnik. Die Unternehmen engagieren sich, die Entwicklung des biobasierten Ersatzes voranzutreiben, um den Anbau von Monokulturen des Kautschukbaumes zu vermeiden und Alternativen zu haben im Wettbewerb um die Rohstoffe. Im vorpommerschen Grimmen werden aus der blauen Süßlupine Speiseeis, Drinks, Joghurt und Brotaufstriche und inzwischen sogar rein vegane Nudeln hergestellt. Biokunststoffe aus Stärke, Zucker und Holz sind inzwischen als marktreife Produkte im Handel zu finden. Jüngst hat die Naturoel Anklam einen weiteren Absatzmarkt für sich erschlossen. So wird das Rapsöl aus Anklam auch als Schaumbremser in Biogasanlagen genutzt. Der Zuckerersatzstoff Stevia und Produkte, die auf Stevia als Inhaltsstoff setzen, haben ihre Käufer gefunden, weil die Stevia-Süße keine Kalorien enthält, den Blutzuckerspiegel reguliert und die Zähne vor Kariesbefall schützt. Ja sogar Textilien aus Milch, Spinnenseide und Kaffee sind heute keine Phantastereien mehr.

Teilnehmer der Bioökonomie-Konferenz

Viele Teilnehmer der BioÖkonomie Konferenz kannten sich bestens aus mit dem Aufzeichnen von chemischen Formeln. Es ging um Lipide, Proteine, Saccharose, Enzyme und die Möglichkeiten der Verwertung natürlicher Bioressourcen im Land mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft zu vertiefen, neue Ideen zu entwickeln, Unternehmensansiedlungen zu forcieren und sich zu aktuellen Forschungsprojekten auszutauschen. Doch auch Politiker nutzen die Chance, sich über den aktuellen Stand der Bioökonomie in Mecklenburg-Vorpommern zu informieren. Zugegen waren auch einige Lehrerinnen aus der Region, um sich über die Betriebsentwicklungen zu informieren, auszuloten, wo Schüler Praktika absolvieren können oder welche Ausbildungsberufe in dem noch recht jungen Wirtschaftssektor gefragt sind. Erstmalig konnten auch Teilnehmer aus Mexiko und den Niederlanden begrüßt werden. Wissenschaftler der Universität Greifswald und der Hochschule Neubrandenburg stellten die interdisziplinäre Arbeit der Forschungseinrichtungen und die multiplen Einsatzmöglichkeiten in der Wirtschaft vor.

Bioökonomie in Anklam

Drei Unternehmen aus dem Bereich der Bioökonomie sind in der Lilienthal-Stadt Anklam wichtige Arbeitgeber in der Region. Die Zuckerfabrik beschäftigt 170 Mitarbeiter, die NOA Naturoel Anklam AG beschäftigt 14 Mitarbeiter und die Anklam Extrakt hat aktuell 52 Beschäftigte.

Wie schon bei der ersten Konferenz im Jahr 2013 konnten die Teilnehmer die Zuckerfabrik Anklam und die Anklam Extrakt besichtigen. Die Zuckerfabrik stellt seit 133 Jahren Zucker her. Das Unternehmen hat eine tiefe Verwurzelung in der Region und verarbeitet die Zuckerrüben aus der hiesigen Landwirtschaft. Der Weißzucker wird in der Lebensmittelindustrie weiter verarbeitet und im Handel angeboten. Neben diesem Hauptprodukt entstehen in der Zuckerfabrik auch Futtermittel für die viehhaltenden Landwirte. Pellets, Presschnitzel, Melasse und Vinasse werden also an die Landwirtschaft auch wieder zurück geliefert. Die Zuckerfabrik betreibt zudem eine Biogasanlage, die Rübenkleinteile, Schnitzel zu Biogas fermentiert und in das Netz der E.Dis AG einspeist. Die Tochterfirma Anklam Bioethanol GmbH produziert seit 2008 Bioethanol als Zulieferung für die Beimischung in Kraftstoff.

Stefan Sauer, Geschäftsführer der Anklamer Zuckerfabrik brachte vor den Konferenzteilnehmern noch einmal offiziell sein Bedauern für den Unfall Ende August zum Ausdruck, bei dem nach seinen Angaben 110.000 Liter Bioethanol in Peene geflossen waren und zu einem Fischsterben erheblichen Ausmaßes geführt hatte. Dieser Unfall stehe diametral zu den Ansprüchen der Zuckerfabrik Anklam. Er zeigte aber auch auf, dass es Unternehmen der Bioökonomie eine große Verantwortung zukommt, um ein gegenseitiges Miteinander zu ermöglichen und Lösungen finden, um derartige Ereignisse in Zukunft zu vermeiden.

Die Anklam Extrakt ist noch ein junges Unternehmen in Anklam. Seit 2011 werden Extrakte aus Pflanzen hergestellt, die in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie weiterverarbeitet werden sowie in Arznei-, Kosmetik- und Nahrungsergänzungs- oder auch Genussmitteln zum Einsatz kommen. Bei der Extraktion von Pflanzen werden die wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanzen konzentriert in Pulverform sowie als wasser- oder ethanollöslichen Essenzen angereichert. Verarbeitet werden in Anklam Wurzeln, Pflanzen und seit Kurzem auch Beeren. Ein Großteil der Produktion ist für den Export bestimmt. Das Unternehmen Anklam Extrakt hat im vergangenen Jahr die Produktionsflächen erweitert und kürzlich ein weiteres Grundstück für eine dritte Ausbaustufe erworben.

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