WINGS

Der Kampf gegen Internetkriminalität braucht Experten

Nordwestmecklenburg | 24.09.2014

Wings startet Studiengang Forensic Engineering; Copyright: Marc Schultz-Coulon
Wings startet Studiengang Forensic Engineering; Copyright: Marc Schultz-Coulon

Zum Wintersemester 2014/2015 erweitert WINGS, das Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar, das Weiterbildungsangebot um den berufsbegleitenden Fernstudiengang „Bachelor Forensic Engineering“. Konzipiert wurde der Fernstudiengang in einem Kooperationsprojekt des IT-Sicherheitsunternehmens PAN AMP aus Hamburg und der Hochschule Wismar. Es entsteht ein neues Berufsfeld mit ausgebildeten Spezialisten für den Kampf gegen Internetkriminalität.

Angesichts der wachsenden Anzahl und zunehmenden Intensität von Internetstraftaten spielt Cyberkriminalität eine immer größere Rolle in der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch in der Privatwirtschaft nimmt der Bedarf an fachkundigem Personal stetig zu: Experten, die Gefahren aufspüren, Netzwerke sichern und Straftaten aufklären, sind sehr gefragt. Im Kampf gegen die Cyberkriminalität mangelt es Behörden und Unternehmen jedoch noch immer an einem ganzheitlichen Ansatz – so auch das Fazit des aktuellen Bundeslagebildes zur Cyberkriminalität, das das Bundeskriminalamt im August dieses Jahres veröffentlichte.

„Wenn es darum geht, Beweise zu sichern, sie zu analysieren und Ergebnisse auszuwerten, handeln die Ermittler meist auf Grundlage ihrer jeweils eigenen Erfahrungen. Es gibt keine einheitlichen Standards, keine gemeinsamen Vorgehensweisen“, erklärt der Vorstand des Hamburger IT-Sicherheitsunternehmens PAN AMP, Bert Weingarten. „Die Arbeit der Ermittler wird dadurch spürbar belastet. Mit vielen unterschiedlichen Standards arbeiten zu müssen, kostet Zeit und Kraft – und leider auch immer wieder Ermittlungserfolge.“

Gemeinsam mit der Hochschule Wismar entwarf PAN AMP deshalb das Konzept für den berufsbegleitenden Fernstudiengang „Bachelor Forensic Engineering“. Das Angebot richtet sich gezielt an Mitarbeiter staatlicher Institutionen und privatwirtschaftlicher Unternehmen, die in ihrem Arbeitsalltag bereits erste Erfahrungen im operativen Geschäft der IT-Sicherheit sammeln konnten. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Studierenden den staatlichen Hochschulabschluss „Bachelor of Engineering (B.Eng.)“.

Umgesetzt wird das Konzept von WINGS, dem Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar. Den „Bachelor Forensic Engineering“ als Fernstudiengang anzubieten, ist wohl kalkuliert. „Das berufsbegleitende Fernstudium ist am besten geeignet, um den Ansprüchen der Studierenden sowie deren Arbeitgebern gerecht zu werden. Weder Behörden noch Unternehmen können es sich erlauben, Mitarbeiter aus dem operativen Geschäft für die gesamte Zeit freizustellen, die ein Präsenzstudium in Anspruch nehmen würde“, erklärt Prof. Bodo Wiegand-Hoffmeister, Rektor der Hochschule Wismar.

Neben informationstechnischen Aspekten setzen sich die Studierenden mit rechtlichen, kriminalistischen und ethischen Fragen auseinander. So sollen die Experten ein Verständnis für alle Bereiche der IT-Forensik und deren Zusammenspiel in der Praxis entwickeln. „Der einheitliche Ausbildungsstandard soll dabei helfen, die Zusammenarbeit sowohl zwischen den Behörden untereinander als auch mit der Privatwirtschaft mittel- und langfristig zu verbessern“, so Cybercrime-Experte Weingarten.

Sind nach acht Semestern alle Prüfungen bestanden, dürfen sich die Absolventen als forensische Ingenieure bezeichnen. Weingarten stellt klar: „Cyberkriminalität wird auch auf lange Sicht ein zentrales Thema der inneren Sicherheit bleiben. Der neue Fernstudiengang gibt uns die Chance, die forensischen Ingenieure als eigenständige Berufsgruppe zu etablieren. Durch ihre Ausbildung verfügen sie über das Wissen, aber auch über die nötigen Instrumente, um wirkungsvoll gegen Internetstraftäter vorzugehen.“

Der berufsbegleitende Fernstudiengang „Bachelor Forensic Engineering“ startet erstmals zum Wintersemester 2014/15. Die Einschreibefrist läuft noch bis 15. Oktober. Künftig wird der Studiengang sowohl zum Sommer- als auch zum Wintersemester angeboten. Bei erfolgreicher Teilnahme an der Hochschulzugangsprüfung für Berufstätige (HZP) ist es auch möglich, sich ohne Hochschulreife für den Fernstudiengang einzuschreiben. Der Semesterbeitrag liegt bei 3.820 Euro. Nähere Informationen zum Fernstudiengang auf der Website unter www.wings-fernstudium.de.

WINGS

Fotodetails: Hans-Jürgen Kamp (Landesvorsitzender Hamburg und Mitglied des Bundesvorstandes WEISSER RING e.V.), Bernd Carstensen (ehem. stellv. Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter e.V.), Bert Weingarten (Vorstand der PAN AMP AG), Prof. Dr. Michael Schleicher (Prorektor für Bildung der Hochschule Wismar)

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