Formstaal/Ostseestaal

Weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer

Vorpommern-Rügen | 20.10.2017

In den frühen Morgenstunden des 20.10.2017 wurde die Elektro-Solar-Autofähre aus der Bauhalle der Firmen Formstaal/Ostseestaal i
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In den frühen Morgenstunden des 20.10.2017 wurde die Elektro-Solar-Autofähre aus der Bauhalle der Firmen Formstaal/Ostseestaal i

In den Spezialunternehmen Formstaal GmbH & Co. KG und Ostseestaal GmbH & Co. KG, beide ansässig in der Hansestadt Stralsund, ist am Freitag, 20.10.2017, die weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer zu Wasser gelassen worden. Mit der emissionsfreien Autofähre, die künftig auf der Mosel verkehren wird, fügen Formstaal/Ostseestaal ihrem ambitionierten Bauprogramm für Elektro-Solarschiffe einen weiteren Schiffstyp hinzu. Zum ersten Mal wurde ein Schiff auch für den Frachttransport konzipiert.

Die beiden Spezialunternehmen haben sich in jüngerer Vergangenheit mit eigenentwickelten-Projekten erfolgreich auf dem Markt der maritimen Elektromobilität etabliert. Überwiegend handelt es sich dabei um Fahrgastschiffe und Fähren für den Einsatz in der Berufsschifffahrt auf Binnen- und in Küstengewässern. Diese werden ausschließlich mit solarer Energie und Batteriestrom betrieben. „Mit der Mosel-Fähre bringen wir das dritte Elektro-Solarschiff-Projekt in diesem Jahr zum Abschluss“, sagte am Freitag Ingo Schillinger, Senior Sales Manager bei Formstaal/ Ostseestaal. Im Sommer waren bereits ein Fahrgastschiff für die Weiße Flotte und ein Seminarschiff für einen Berliner Auftraggeber abgeliefert worden. 

Den Auftraggeber für die vollelektrische Autofähre, die Gemeinde Oberbillig im Landkreis Trier-Saarburg (Rheinland-Pfalz), hat das fachliche Konzept der Unternehmen Formstaal/Ostseestaal von Anfang an überzeugt, betont Andreas Beiling, Ortsbürgermeister von Oberbillig. „Mit der Neubeschaffung einer modernen, strombetriebenen Fähre werden jährlich rund 14.000 Liter Diesel eingespart und die Abgas- und Lärm-emissionen deutlich reduziert.“ Seit 1966 pendelt auf der Mosel an der deutschen Grenze eine konventionelle Autofähre zwischen Oberbillig und der luxemburgischen Gemeinde Wasserbillig. Die neue, 28 Meter lange Fähre mit umweltschonendem Antriebskonzept wird pro Fahrt bis zu 45 Fahrgäste und sechs Autos befördern. 

Um Elektro-Solarschiffe wirtschaftlich betreiben zu können, zeichnet diese eine extreme Leichtbauweise und der Einsatz energieverbrauchsoptimierter Komponenten aus. Mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Schiffsprojekten haben die Stralsunder Konstrukteure eine Reihe innovativer Lösungen beim Bau der Elektro-Solar-Autofähre verwirklicht. Zum Beispiel wurden in das Elektromanagementsystem neuartige Lithium-Polymerbatterien, verbesserte E-Ladetechnik und neu entwickelte Elektromotoren integriert. Die Autofähre ist mit insgesamt vier Elektromotoren ausgestattet. Erstmals sind diese im Schiffsrumpf so eingebaut worden, dass sie demontiert werden können, ohne die Fähre aus dem Wasser heben zu müssen. Die optimierte Linienführung des Schiffsrumpfes führt dazu, dass die Wasserverdrängung der Fähre um zehn Prozent geringer ausfällt als bei einem konventionellen Schiff. In diesem Vergleich konnte durch das E-Mobilitätskonzept die Geräuschemission um 80 Prozent gesenkt werden. Energiesparend wirkt sich auch der Einsatz von LED-Leuchten an Bord aus. „Unsere Schiffe benötigen im Vergleich zu konventionellen Schiffen für die gleiche Leistung lediglich ein Viertel der Antriebsleistung“, hebt Ingo Schillinger hervor. Die weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer wird in den kommenden Tagen in Stralsund endausgerüstet und getestet. Verladen auf ein Binnenschiff tritt sie danach die Reise an die Mosel an. Für den 21.11.2017 ist geplant, die neue Autofähre an ihrem künftigen Einsatzort an den Auftraggeber, die Gemeinde Oberbillig, abzuliefern. Getauft werden soll sie am 25.11.2017. 

Bisher sind von Formstaal/Ostseestaal zehn Elektro-Solarschiffe gebaut worden. Vor allem Fahrgastschiffe und Fähren, die unter anderem auf Berliner Gewässern unterwegs sind und bis zu 60 Personen befördern können. „Unser Antrieb ist die Sonne, wir bringen die E-Mobilität aufs Wasser“, umreißt Dr. Thomas Kühmstedt, Geschäftsführer bei Formstaal, das innovative Alleinstellungsmerkmal der Elektro-Solarschiffe vom Strelasund. Je nach Bedarf können die umweltfreundlichen Schiffe bis zu 45 Meter lang und 10 Meter breit sein und bis zu 300 Gäste befördern. Derzeit befinden sich 14 weitere Elektro-Solarschiff-Projekte für den deutschen Binnenschifffahrtsmarkt bei Formstaal/Ostseestaal in Planung. Ingo Schillinger verweist zudem auf erste Anfragen aus Italien und den Niederlanden. „Perspektivisch sehen wir auch im Nahen Osten gute Marktchancen.“ 

Fakten und Daten zur Elektro-Solar-Autofähre

  • Länge: 28,00 Meter
  • Breite: 8,90 Meter
  • Dienstgeschwindigkeit: 7 km/h
  • Höchstgeschwindigkeit: 13 km/h
  • Personenzahl: 45
  • Personenkraftfahrzeuge: 6
  • Solarmodule: 15 (gesamt 5,4 kWp)
  • Batteriekapazität: 252 kWh

Umgesetzt werden die Elektro-Solarschiff-Projekte von Formstaal in Kooperation mit Ostseestaal. Die im Verbund agierenden Unternehmen beschäftigen zusammen 150 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von insgesamt 25 Millionen Euro. Die Unternehmen gehören zur niederländischen Central Industry Group (CIG).

Thomas Schwandt im Auftrag von Formstaal/Ostseestaal

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