Start-Up aus Vorpommern sagt Keimen den Kampf an

Monitoringsystem unterstützt bei Händedesinfektion

Vorpommern-Rügen | 10.04.2017

(v. l.) Maik Gronau, Daniel Neuendorf und Marcel Walz; Foto: MBMV
(v. l.) Maik Gronau, Daniel Neuendorf und Marcel Walz; Foto: MBMV

Sie sind Meister des Überlebens, enorm anpassungsfähig und kommen in unvorstellbar hoher Artenvielfalt und Anzahl vor: Bakterien. Viele von ihnen sind für das Leben von großer Bedeutung, andere können ihm hingegen gefährlich werden. Das Stralsunder Start-Up GWA Hygiene GmbH hat ein System entwickelt, mit dem die Händedesinfektion in exponierten Bereichen überwacht und verbessert werden kann.

Trotz vorhandener Hygienemaßnahmen kommt es immer wieder zu schweren Erkrankungen und Todesfällen infolge sogenannter multiresistenter Keime, allgemein auch als Krankenhauskeime bezeichnet. Wie kann man also die Standards weiterentwickeln, um eine Verbesserung zu erzielen, ohne das knapp bemessene Personal zusätzlich zu belasten? Diese Frage stellte sich Maik Gronau, als er vor einigen Jahren selbst Patient in einem Krankenhaus war. Dabei zeigte sich die Ausgangslage für das Problem vielschichtig. Zum einen erfolgt durch die Patienten selbst ein permanenter Eintrag von Keimen. Zum anderen bilden sich insbesondere dann Resistenzen aus, wenn Bakterien durch Medikamente oder Desinfektionsmittel nicht vollständig abgetötet werden. „Ein Allheilmittel gibt es auch hier leider nicht. Man kann nur durch verschiedene Einzelmaßnahmen versuchen, das Gesamtpaket möglichst engmaschig zu stricken“, sagt Gronau. Da die Hände des Personals eines der wichtigsten Übertragungsrisiken darstellen, wirken Maßnahmen zur Verbesserung der Händehygiene an dieser Stelle besonders effektiv. Dabei ist es eine Herausforderung für jeden Betrieb, die Möglichkeiten zur Händedesinfektion so zu gestalten, dass das Personal die Händehygiene als selbstverständlichen Schritt in den Arbeitsablauf integriert.

Vor diesem Hintergrund machte sich der damalige Stralsunder Wirtschaftsinformatikstudent Gronau mit zwei Kommilitonen an die Arbeit und gründete die GWA Hygiene GmbH. Gemeinsam entwickelten sie das System „NosoEx“, das dem Monitoring dient. Ein Sensor, der an den Desinfektionsmittelspendern angebracht ist, registriert jede Nutzung durch das Personal, das einen Transponder trägt. Die Daten werden anonym erfasst und können von einer Software ausgewertet werden. Das hat gleich mehrere Vorteile. Während bislang durch den Verbrauch an Desinfektionsmittel Rückschlüsse auf die Nutzung der Spender gezogen wurden, ist nun eine berufsgruppengenaue Messung der jeweiligen Frequentierung möglich. Das wiederum gibt Aufschlüsse über die Arbeitsprozesse und den Grad der Integration von Hygienemaßnahmen. Zudem kann durch die Frequentierung der Spender der Verbrauch an Desinfektionsmittel ermittelt werden, sodass die Logistik in diesem Bereich vereinfacht wird.

Wie einfach und doch effektiv „NosoEx“ funktioniert, davon überzeugt sich seit einigen Monaten eine Lüneburger Klinik. „Wir freuen uns, dass das System positiv aufgenommen und als hilfreich akzeptiert wird“, sagt Gronau, Geschäftsführer der GWA Hygiene GmbH. Auf ihrem Weg dorthin konnten sie auf vielseitige Unterstützung und Förderung zurückgreifen. Dazu zählt auch eine Innovationsbeteiligung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH, die den drei Stralsundern den Start finanziell erleichterte.

MBMV

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