Agentur für Arbeit Stralsund

Arbeitsmarktrückblick 2014 - Ausblick 2015

Vorpommern-Rügen | 07.01.2015

Agentur für Arbeit, Foto: Agentur für Arbeit
Agentur für Arbeit, Foto: Agentur für Arbeit

Trotz der weiterhin schwierigen Situation am Arbeitsmarkt der Region Vorpommern-Rügen ging die Beschäftigungslosigkeit im Jahr 2014 weiter zurück. Im Jahresdurchschnitt waren im Agenturbezirk Stralsund 14.687 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren 744 Personen (4,8 Prozent) weniger als im Jahresdurchschnitt 2013. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank im Agenturbezirk von 13,2 auf 12,8 Prozent.

Dabei sah die Situation in den einzelnen Regionen des Agenturbezirkes sehr unterschiedlich aus.

Am deutlichsten sank die Arbeitslosigkeit in der Agenturgeschäftsstelle Ribnitz-Damgarten. Hier waren im Schnitt des vergangenen Jahres 2.801 Männer und Frauen ohne Job. Das sind 308 Personen (9,9 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank von 11,6 Prozent im Jahr 2013 auf 10,7 Prozent in 2014.

Eine durchschnittliche Arbeitslosenquote mit einer 10 vor dem Komma ist in der Region Vorpommern-Rügen ein beachtlicher Wert. Allerdings ist die Beschäftigungslosigkeit – typisch für eine Tourismusregion – auch sehr starken Schwankungen unterworfen. Für die Region Ribnitz-Damgarten pendelte die Arbeitslosenquote im Jahr 2014 zwischen 15,0 Prozent im Januar und 8,3 Prozent im September.  

Noch stärkere Schwankungen verzeichnete die Insel Rügen. Hier wurde die höchste Arbeitslosigkeit im Februar gemessen mit 18,0 Prozent, der niedrigste Wert im September mit 8,7 Prozent. Nicht verwunderlich also, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote auf Deutschlands größter Insel mit 12,1 Prozent noch deutlich von der 10-Prozent-Marke entfernt ist. Erfreulich jedoch: Anders als 2013 ist die Arbeitslosigkeit im Jahr 2014 auf Rügen wieder zurückgegangen, wenngleich dieser Rückgang mit 248 Arbeitslosen (-5,7 Prozent) eher moderat ausfällt.  

Auch die Geschäftsstelle Grimmen konnte einen Rückgang der Beschäftigungslosigkeit registrieren. Hier waren im Jahr 2014 161 Personen (8,2 Prozent) weniger arbeitslos gemeldet als im Jahresdurchschnitt 2013. Die Arbeitslosenquote sank von 14,3 Prozent im Vorjahr auf 13,4 Prozent. 

Die Arbeitsmarktentwicklung in der Hauptagentur Stralsund und speziell in der Hansestadt Stralsund wurde im letzten Jahr sehr stark von den Auswirkungen der Werftinsolvenz dominiert. Zum Ende des Jahres waren bei der Arbeitsagentur noch 353 ehemalige Werftmitarbeiter (von ehemals 1.053 betroffenen Beschäftigten) arbeitslos gemeldet. Diese schwierige Arbeitsmarktentwicklung schlägt sich auch in den Jahreszahlen wieder. 4.451 Männer und Frauen waren 2014 in der Hansestadt Stralsund arbeitslos gemeldet. Das sind 49 Personen (1,1 Prozent) mehr als im Jahresdurchschnitt 2013. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 16,0 Prozent. 

Für das Jahr 2015 sieht Gunther Gerner, der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Stralsund, eher positive Tendenzen. „Einige Neuansiedlungen und Erweiterungen von Unternehmen stehen im Jahr 2015 auf dem Plan. Wir reden hier nicht von tausenden neuen Arbeitsplätzen. – Investitionen dieser Größenordnung kommen im Übrigen selbst bei weltweiter Betrachtung nur sehr selten vor. - Doch das Signal ist wichtig: Unser Landkreis ist ein attraktiver Standort und bietet Bedingungen, die Unternehmen in anderen Regionen scheinbar nicht mehr finden. Hier müssen wir auch weiterhin unsere Kräfte bündeln. Alle Akteure, auch die Arbeitsagentur, tun alles, um Investitionen für neue Arbeitsplätze in der Region zu ermöglichen.“  

Eine immer noch große Herausforderung ist für den stellvertretenden Agenturchef allerdings die Bevölkerungsentwicklung. „Das Problem ist seit langem bekannt: Die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern wird immer älter. Immer mehr Arbeitnehmer gehen in Rente. Immer weniger Junge kommen nach.“ Diese Auswirkungen zeigen sich auch in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. 5.880 Arbeitslose im Alter über 50 Jahren waren im letzten Jahr bei der Arbeitsagentur Stralsund registriert. Das sind 40,0 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. Die Unternehmen klagen zunehmend über Probleme, ihre freien Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen.

Ganz besonders prekär ist die Situation am Ausbildungsmarkt. Hier blieben im letzten Jahr noch 279 Lehrstellen unbesetzt. 

Was also tun? „Wir brauchen ein Umdenken bei den Unternehmen“, so Gunther Gerner.

„Arbeitgeber, die Fachkräfte suchen, schließen viel zu häufig noch bestimmte Personengruppen bei der Besetzung von freien Stellen aus. Ältere Arbeitnehmer z.B. oder auch Erziehende oder Schwerbehinderte sind ein solches Potential, auf das die Unternehmen gut zurückgreifen könnten.

Außerdem besteht die Möglichkeit, Personal aus anderen Teilen der Bundesrepublik zu gewinnen. Gerade für die Besetzung von freien Ausbildungsstellen scheint mir dieser Weg notwendig. Denn auf absehbare Zeit wird die Zahl der Schulabgänger in Mecklenburg-Vorpommern nicht steigen. Das bedeutet, wir werden auch in den nächsten Jahren zu wenig Jugendliche für die freien Lehrstellen haben. Doch um Jugendliche an die Küste zu locken, müssen die Ausbildungsmöglichkeiten attraktiv gestaltet und künftige Karrierewege aufgezeigt werden. Wer junge Leute aus Berlin, Sachsen oder dem Ruhrgebiet an die Küste holen möchte, braucht bessere Ausbildungsbedingungen als bei den dortigen Arbeitgeber.“

 

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