Der Arbeitsmarkt im Dezember

Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresende

Vorpommern-Rügen | 05.01.2016

Agentur für Arbeit
Arbeitsmarkt, Foto: Bundesagentur für Arbeit

Zum Ende des Jahres ist die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Stralsund noch einmal deutlich angestiegen. 14.650 Männer und Frauen waren im Dezember arbeitslos gemeldet. Das waren 1.556 Personen (11,9 Prozent) mehr als im November.Die Arbeitslosenquote machte einen deutlichen Sprung von 11,6 Prozent auf aktuell 13,0 Prozent. 

Die stärkste Zunahme der Beschäftigungslosigkeit verzeichneten dabei erwartungsgemäß die beiden Urlaubsregionen Rügen sowie die Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten mit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.  Auf Deutschlands größter Insel sind aktuell 4.767 Männer und Frauen ohne Job. Das sind 908 mehr als im Vormonat und entspricht einer Steigerung von 23,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 14,2 Prozent. Das sind 2,7 Prozentpunkte über dem Novemberwert.

„Ein solcher Anstieg - innerhalb nur eines Monats - ist enorm, aber für die Region nicht ungewöhnlich“, weiß Gunther Gerner, der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Stralsund. „Wir rechnen sogar für die nächsten Monate mit einer weiteren Zunahme der Beschäftigungslosigkeit. Denn gerade erst ist das Weihnachtsgeschäft in der Hotel- und Gastronomiebrache zu Ende gegangen. Viele Unternehmen werden erst im Januar ihr Personal in die Arbeitslosigkeit entlassen.“ 

Die Agenturgeschäftsstelle Ribnitz-Damgarten verzeichnete den zweitstärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk. Hier sind aktuell 3.027 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem November ist dies eine Zunahme um 369 Personen (13,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote in der Region Ribnitz-Damgarten liegt damit bei 11,8 Prozent. Im November lag sie noch bei 10,4 Prozent.  

In der Hansestadt Stralsund und in der Agenturgeschäftsstelle Grimmen ist die Beschäftigungslosigkeit ebenfalls gestiegen, im Vergleich zu den beiden Tourismusregionen jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. In Stralsund stieg die Zahl der Arbeitslosen um 105 Personen (2,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt bei 14,6 Prozent. In Grimmen stieg die Beschäftigungslosigkeit um 41 Personen (2,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote rund um die Trebelstadt liegt aktuell bei 11,7 Prozent. Das ist in diesem Monat der niedrigste Wert unter allen Geschäftsstellen des Agenturbezirkes Stralsund.  

Interessant ist im aktuellen Berichtsmonat auch ein Blick in die einzelnen Wirtschaftsbereiche der Regionen. Denn nicht nur der Hotel- und Gastronomiebereich sorgte mit Entlassungen für eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk. Steigende Arbeitslosenzahlen waren auch im Bereich des Handels, der Reinigungsberufe, des produzierenden Gewerbes und aus dem Baubereich zu registrieren. Das wurde auch deutlich bei der Betrachtung der Beschäftigungslosigkeit nach Geschlechtern. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen stieg die Zahl der Arbeitslosen an. Bei den Männern um 807 Personen (11,3 Prozent), bei den Frauen um 749 Personen (12,6 Prozent).

Zur Arbeitsmarktanalyse gehört regemäßig auch ein Blick auf die arbeitsmarktpolitischen Instrumente. Ihre Entlastungswirkung hat immer noch eine große Bedeutung für den Arbeitsmarkt der Region.

Die drei wichtigsten seien hier beilspielhaft erwähnt:

  • 894 Männer und Frauen erwerben mit Unterstützung der Arbeitsagentur und des Jobcenters derzeit eine neue berufliche Qualifikation. Das sind fast so viele wie im Vormonat (- 6 Personen) und 173 weniger als im Dezember des letzten Jahres.
  • 800 Personen sind in den sogenannten Arbeitsgelegenheiten beschäftigt. Bei diesen umgangssprachlich als Ein-Euro-Job bezeichneten Maßnahmen sank die Teilnehmerzahl um 213 im Vergleich zum November und um 187 im Vergleich zum Vorjahresmonat.
  • 76 Existenzgründer werden mit dem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur beim Aufbau eines eigenen Unternehmens unterstützt. Bei diesem Instrument gab es kaum Veränderungen gegenüber dem Vormonat bzw. dem Vorjahr.

Ohne die Entlastungswirkung der Arbeitsmarktpolitik läge die Arbeitslosenquote vermutlich bei 16,1 Prozent.

Der Jahresrückblick 2015

Obwohl die Beschäftigungslosigkeit im letzten Monat des Jahres saisonbedingt noch einmal deutlich angestiegen ist, war 2015 doch insgesamt betrachtet ein positives Jahr für den Arbeitsmarkt der Region.

In jedem Monat lag die Arbeitslosigkeit unter dem Vorjahresniveau. Zuletzt waren es im Dezember 1.206 Personen (- 7,6 Prozent) weniger als noch zwölf Monate zuvor.
Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei 13,0 Prozent. Das ist der niedrigste Dezember-Wert seit der Wiedervereinigung.

Über alle Monate zusammengerechnet waren im Jahresdurchschnitt 2015 im Agenturbezirk Stralsund 13.757 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren 930 Personen (6,3 Prozent) weniger als im Jahresdurchschnitt 2014.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank im Agenturbezirk von 12,8 auf 12,2 Prozent.
Nur zum Vergleich: Im Jahr 2013 lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote noch bei 13,2 Prozent.

Für das Jahr 2016 sieht Gunther Gerner, der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Stralsund, eher positive Tendenzen, wenngleich noch viele unbekannte Faktoren die Entwicklung des Arbeitsmarktes beeinflussen können. „Momentan kann ich noch nicht genau einschätzen, welche Auswirkungen z.B. die Flüchtlinge in unserem Landkreis auf den Arbeitsmarkt haben werden. Auf die Jahreszahlen 2015 hatten sie keinen auffälligen Einfluss.“

Ein anderer wichtiger Punkt ist für den stellvertretenden Agenturchef die Entwicklung im Tourismusbereich. „Der Startschuss in das Saisongeschäft fällt bei uns traditionell mit den Osterferien. Die liegen in diesem Jahr verhältnismäßig früh. Es wäre schön, wenn dies auch schon frühzeitig Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben würde.“

Eine der größten Herausforderung für die Region ist und bleibt für Gunther Gerner allerdings die demographische Entwicklung. „Die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern wird immer älter. Immer mehr Arbeitnehmer gehen in Rente. Immer weniger Junge kommen nach. Daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Die Altersentwicklung zeigt sich mittlerweile auch ganz deutlich in der Arbeitslosigkeit. 5.537 Arbeitslose im Alter über 50 Jahren waren im letzten Jahr bei der Arbeitsagentur Stralsund registriert. Das sind 40,3 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen.

Eine besondere Situation für Arbeitgeber bleibt auch die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Hier waren im letzten Jahr noch 196 Lehrstellen unbesetzt.“ Für Gunther Gerner ist ein Umdenken bei den Unternehmen wichtig. „Wer Fachkräfte sucht, darf keine Personengruppen bei der Besetzung von freien Stellen ausschließen. Schwerbehinderte, Erziehende oder auch ältere Arbeitnehmer sind ein Potential, auf das die Unternehmen nicht verzichten können. Warum nicht z.B. einen älteren Arbeitslosen einstellen, wenn es mit der Suche nach einem Azubi nicht geklappt hat? 

Unsere Kollegen vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur beraten interessierte Unternehmen gerne zu den Möglichkeiten, Personal für die freien Stellen zu finden.“

Agentur für Arbeit Stralsund

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