Jahrestagung des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer

„Fangempfehlung für Hering haben Branche kalt erwischt“

Vorpommern-Rügen | 09.06.2017

Heringsfischerei, Foto: Thinkstock/iStock/aguirre_mar
Heringsfischerei, Foto: Thinkstock/iStock/aguirre_mar

Auf der diesjährigen Jahrestagung des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern im Hotel Jagdhof in Negast betonte Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, dass die kürzlich vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) veröffentliche Fangempfehlung für den Heringsbestand der westlichen Ostsee die Branche kalt erwischt habe.

„Während der ICES noch im letzten Jahr annahm, dass der Bestand sich positiv entwickelt und nachhaltig bewirtschaftet wird, geben die Ergebnisse der Bestandsberechnung nun ein deutlich pessimistischeres Bild“, so der Staatssekretär. Ursache ist die nach Auffassung der Wissenschaft abnehmende Nachwuchsproduktion; die Jahrgänge 2014 und 2016 seien die schwächsten der Zeitserie, was auf steigende Wassertemperaturen im Laichgebiet zurückzuführen sei.

Da der Managementplan zur Bewirtschaftung der Dorsch- Herings- und Sprottenbestände der Ostsee in so einem Fall gravierende Sofortmaßnahmen verlangt, empfiehlt der ICES bereits für 2018 eine drastische Reduzierung der Heringsquote um 39 %. „Dieses wiederspricht der Intention eines mehrjährigen Managementplanes, durch den zumindest mittelfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen für die Fischerei geschaffen werden sollten. Genau dieses hat die Landesregierung seit Jahren gefordert, aber genau dieses wird mit dem aktuellen Mehrartenplan nicht erreicht. Hier besteht Nachbesserungsbedarf, für den sich die Landesregierung einsetzen wird“, unterstrich Buchwald.

Mit der vorgeschlagenen Quotenreduzierung stünden M-V im Jahr 2018 mit 5.750 t etwa 40 % der Heringsfangmengen des guten Jahres 2008 (14.700 t) zur Verfügung. Der Erlös aus der Heringsfischerei würde 2018 etwa um 3,2 Mio. € unterhalb des Erlöses des guten Jahres 2008 liegen. Maßgeblich betroffen wären ca. 120 Betriebe.

Anders beim Dorsch: „Nachdem wir bei dem für die Küstenfischerei unseres Landes so wichtigen Dorschbestand der westlichen Ostsee im vergangenen Jahr noch von einer alarmierenden Situation ausgegangen sind, zeichnet sich nun eine bessere Bestandssituation ab“, bilanzierte Buchwald. Nach dem extrem schwachen Jahrgang 2015 (10% vom Mittelwert) hat dieser Bestand 2016 nun jedoch einen sehr starken Jahrgang produziert. Bis Anfang 2018 soll sich der Bestand voraussichtlich sogar verdoppelt haben. Die Fangmengen 2018 könnten nach Einschätzung des ICES somit um 8 % steigen.

Gleichwohl wies der Staatssekretär darauf hin, dass eine 8 %ige Quotensteigerung jedoch nicht zu einer nennenswerten Entlastung der Erwerbsfischerei führe. 2017 stand für M-V für den Dorschbestand der westlichen Ostsee eine Grundquote in Höhe von lediglich 361 t zur Verfügung. Diese Quote wurde schrittweise auf 25 % der Quote des guten Jahres 2012 (1.451 t) reduziert. Der Erlös aus der Dorschfischerei war im Jahr 2017 um ca. 1,5 Mio. Euro geringer als im Jahr 2012.

„Wir haben es somit sowohl bei der Herings- als auch bei der Dorschfischerei quotenbedingt mit einer ausgesprochen schwierigen wirtschaftlichen Situation zu tun. Das Land M-V hat deshalb im Jahr 2017 für 50 Unternehmen der Dorschfischerei aus Bundes- und EU-Mitteln finanzielle Hilfen in Höhe von 241.000 Euro ausgereicht. Das Land wird sich dafür einsetzen, entsprechende Hilfen für die Dorschfischerei auch zukünftig aufrechtzuerhalten“, kommentierte Buchwald. Auch sei es angezeigt, das Programm auf die Heringsfischerei auszuweiten, auch wenn das europäische Fischereirecht hier enge Grenzen steckt.

Staatliche finanzielle Hilfen machen Buchwald zufolge aber nur Sinn, wenn sie Hilfe zur Selbsthilfe sind. Aus Sicht der Landesregierung sei es an der Zeit ernsthaft darüber nachzudenken, welche Strukturen die Fischerei zukunftsfähig machen. Die aktuellen Bedingungen haben zu einem anhaltenden Rückgang der Erwerbsbetriebe geführt. Die Anzahl der Haupterwerbsfischer ist in den letzten zehn Jahren von 384 auf 234 zurückgegangen. Der Trend ist anhaltend. Diese Situation würde sich mit der Umsetzung der Empfehlungen des ICES 2018 verschärfen.

Die Binnenfischerei habe eindrucksvoll unterlegt, dass die Fischerei an ihren oftmals touristisch attraktiven Standorten mit einer nachfragegebundenen Direktvermarktung gewinnbringend organisiert werden kann, so Buchwald. Die Landesregierung werde die Kutter- und Küstenfischer bei der Umsetzung ähnlicher Konzepte unterstützen. Die Voraussetzungen seien geschaffen: Bis 2023 stehen für die Verbesserung der Verarbeitungs- und Vermarktungsbedingungen, die Erneuerung und Modernisierung von Fischereifahrzeugen sowie die Verbesserung der Infrastruktur in den Fischereihäfen etwa 16 Mio. Euro Fördermittel der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung.

Zur aktuellen Situation der Kutter- und Küstenfischerei M-V

Die Jahresgesamterlöse des Jahres 2016 haben mit 10,3 Mio. Euro gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre 2014 und 2015 um ca. 12 % zugelegt. Ausschlaggebend dafür waren die erfreulicherweise wieder angehobene Heringsquote und ein ordentlicher Preis von durchschnittlich 36 Cent/kg. Dadurch konnten die Erlöse aus der Heringsfischerei im Jahr 2016 gegenüber dem Durchschnittswert der Vorjahre um 23 % gesteigert werden. Dieses hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die im Jahr 2016 weiter rückläufigen Dorschanlandungen und der anhaltend geringe Preis einigermaßen verkraftet werden konnten.

Die diesjährige Heringsfischerei war über den gesamten Saisonverlauf nicht ganz so ergiebig wie in den Vorjahren. Mit knapp 8.400 t liegen die Anlandungen trotz einer um 8 % gestiegenen Quote um ca. 35 % unter den Anlandungen des Jahres 2016. Die derzeitigen Erlöse liegen bei ordentlichen Preisen mit ca. 3,8 Mio. Euro bei 80 % der Jahresgesamterlöse 2016.

Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

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