Bundesfischereitag eröffnet

Fischerei braucht eine stärkere Lobby des Bundes bei der EU

Rostock | 26.08.2015

Fischer
Fischer

„Unser Ziel ist es, in allen Bereichen der Fischwirtschaft wirtschaftlich starke Unternehmen in unserem Land zu haben, die die ökologische Nachhaltigkeit und das Tierwohl achten. Doch irgendwann muss auch in Anbetracht der Dorsch-Quote die Frage erlaubt sein: Wollen wir die Fischerei oder wollen wir sie nicht. Hier muss der Bund den Fischern gegenüber der EU viel mehr den Rücken stärken“, sagte der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus heute in Rostock anlässlich der Eröffnung des Deutschen Fischereitages.

Dorschfangquote

„Auf die Forderung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) zur Reduzierung der Fangquote um 82 Prozent sagte Backhaus: "Derartige Sprünge sind nicht hinnehmbar und nicht nachvollziehbar. Das ist Harakiri." Nach Auffassung des Thünen-Institutes für Ostseefischerei wird der Bestand bei einer jährlichen Reduzierung um 10% den grünen Bereich schon 2017/2018 wieder erreichen. Außerdem muss anerkannt werden, dass Ende 2014 ein enormer Salzwassereintrag in die Ostsee erfolgte, der mittelfristig zu einer Erholung des Dorschbestandes führen wird.

M-V ist nicht nur ein Land mit einer ausgeprägten Kutter- und Küstenfischerei, hier ist auch ein bedeutender Teil der deutschen Hochseefischerei beheimatet. Im Bereich der Binnenfischerei reden die knapp 60 Unternehmen mit ca. 250 Mitarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern selbst im Großen und Ganzen von einer zufriedenstellenden Wirtschaftslage. „Man könnte fast konstatieren, dass die Binnenfischereiunternehmen ihren lokalen Absatzmarkt gefunden haben und vor allem durch die Direktvermarktung ihren Lebensunterhalt problemlos absichern“, so Minister Backhaus und macht perspektivisch deutlich: „Für die Zukunft sehe ich eher das Thema, dass die Beschaffung von Fisch langfristig gesehen die Unternehmensentwicklung beschränken wird. Hier über den Einstieg in die Aquakultur nachzudenken, sollte trotz einiger Vorbehalte erwogen werden, um künftig unabhängiger zu sein.“ 

Mit 1.035 Tonnen Fischen und Krebsen aus Aquakultur im Jahr 2014 steigerte Mecklenburg-Vorpommern seine Ergebnisse langsam, aber kontinuierlich. Der Anteil von Fischen aus Kreislaufanlagen in Mecklenburg-Vorpommern lag mit 622 Tonnen deutlich über dem Bundesdurchschnitt (11 Prozent). „Da neue Teichwirtschaften unökonomisch und Netzgehegeanlagen nicht genehmigungsfähig sind, sieht man in Mecklenburg-Vorpommern seit dem Jahr 2000 in der Entwicklung von Kreislaufanlagen die einzige echte Alternative für eine weitere Entwicklung der Aquakultur in unserem Land. Wir unterstützen interessierte Investoren gerne“, betonte der Landwirtschaftsminister. 

Auch das Angeln steht im Fokus des Fischereitages. „Viele Angelgewässer unseres Landes gelten als ein Angel-El-Dorado. Die Angelfischerei bedeutet daher eine nicht unerhebliche Wertschöpfung, die unserem Lande und vor allem den ländlichen Räumen zu Gute kommt – und das eben nicht nur in der Hauptsaison“, hob der Minister hervor. 

Für Deutschland insgesamt nimmt die Branche des Angelsports einen hohen wirtschaftlichen Faktor ein. So wird der jährliche Umsatz aller Sport- und Freizeitfischerunternehmen auf ca. 6,5 Milliarden Euro geschätzt. Darüber hinaus sind mehr als 52.000 Menschen in dem Gewerbe Sport- und Freizeitfischerei tätig.

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

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