IHK Neubrandenburg

Wirtschaftslage so gut wie noch nie

Mecklenburgische Seenplatte | 17.10.2018

IHK Konjunkturklimaindikator Herbst 2018 Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, Grafik: IHK Neubrandenburg
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IHK Konjunkturklimaindikator Herbst 2018 Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, Grafik: IHK Neubrandenburg

Die Unternehmen im der IHK Region Neubrandenburg beurteilen ihre wirtschaftliche Lage im Herbst 2018 so gut wie noch nie. Allerdings sind die Erwartungen an das kommende Geschäftsjahr gesunken. Der Erwartungssaldo ist um 10 Prozentpunkte gegenüber der Vorumfrage gefallen und liegt nun unter dem Wert des Vorjahres.

Zur Abbildung der Einschätzungen der Unternehmen bzgl. der aktuellen Lage und ihrer Erwartungen in einer einzigen Zahl dient der Konjunkturklimaindikator. Die stark eingetrübten Erwartungen überkompensieren die verbesserte Beurteilung der Lage, so dass der Konjunkturklimaindikator gegenüber der Vorumfrage 4 Indexpunkte verliert. 

Die positiven Einschätzungen der Lage nähren sich aus der guten Gewinnsituation. Mehr Unternehmen als bei der Vorumfrage beurteilen ihre Gewinnlage als gut, weniger als schlecht, so dass der Gewinnsaldo um 6 Prozentpunkte angestiegen ist. Von den Unternehmen, die Lage ihres Unternehmens als „gut“ beurteilen, sind 97 % mit ihrer Gewinnlage zufrieden. 

Wie lassen sich die eingetrübten Erwartungen erklären? 

Die Auftragslage wird in etwa so gut beurteilt wie bei der Vorumfrage. Auch nennen nur 23 % der antwortenden Unternehmen die Inlandsnachfrage als Risiko für die Entwicklung ihres Unternehmens in den kommenden 12 Monaten. Die Auslandsnachfrage spielt aufgrund der geringen Außenhandelsorientierung der Unternehmen in der IHK-Region nur eine geringe Rolle als mögliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Im Vergleich zur Vorumfrage ist die Auslandsnachfrage allerdings heute für mehr Unternehmen Anlass zur Sorge. Die große Unsicherheit bzgl. der Ausgestaltung des Brexits und die Handelsauseinandersetzungen mit den USA werden die Ursache dafür sein. Zum Teil sind die eingetrübten Erwartungen in der aktuellen Umfrage sicherlich auf dieses Szenario zurückzuführen. 

Auch ein zunehmender Mangel an Fachkräften wird zu den vorsichtigeren Erwartungen beigetragen haben. Der Anteil der Unternehmen, die im Fachkräftemangel ein Risiko für die Entwicklung ihres Unternehmens sehen liegt nun bei 61 %. Keinen Personalbedarf haben derzeit 40 % der Unternehmen, 18 % haben keine Probleme bei der Besetzung ihrer offenen Stellen. In 42 % der Unternehmen können aktuell offene Stellen nicht besetzt werden. Im Durchschnitt bleiben in diesen Unternehmen zwei bis drei Stellen unbesetzt. Deutlich zeigt sich der Personalmangel als Wachstumsbremse insofern, als unter den Unternehmen, die die Beschäftigung in den kommenden 12 Monaten ausweiten wollen - das sind 18 % -, knapp zwei Drittel schon jetzt offene Stellen nicht besetzen können. Obwohl der Beschäftigungssaldo bei 9 Prozentpunkten liegt und damit im Vergleich zu den Vorumfragen groß ist, wird die Beschäftigung in der IHK-Region in den nächsten Monaten nicht mehr dementsprechend zulegen. 

Eng mit dem Mangel an Fachkräften ist die Höhe der Arbeitskosten verbunden. Knapp die Hälfte der Unternehmen - und damit ähnlich viele wie in der Vorumfrage - sehen in steigenden Arbeitskosten ein Risiko für ihre Entwicklung.

Dem Fachkräftemangel entgegensteuern durch bessere Vermarktung

Die Lohnsituation hat sich sehr positiv für Arbeitnehmer im Land entwickelt, so Torsten Haasch während der Vorstellung des IHK Konjunkturberichtes in Neubrandenburg. Die Bezahlung ist ein wichtiges Kriterium, das steht außer Frage, doch legen Arbeitnehmer in der Region auch viel Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und ein angenehmes Betriebsklima, in dem es normal sei, die Mitarbeiter in die Prozesse einzubeziehen. Unternehmen, die sich von Best Practice-Lösungen inspierieren lassen wollen, sind herzlich eingeladen, am 24. Oktober 2018, um 10:00 Uhr an der Veranstaltung „Hotellerie und Gastronomie – Jenseits vom Mittelmaß“ teilzunehmen. Darüber hinaus geht die IHK Neubrandenburg neue Wege in der Dualen Ausbildung mit Teilqualifikationen und modularen Bildungsmodellen, um dem unterschiedlichen Bildungsniveaus junger Menschen gerechter zu werden. Ende Dezember ist zudem eine Messe in Neubrandenburg geplant, um den Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen, die Chance zu ermöglichen mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die zu den Feiertagen ihre Familien in der Region besuchen und in Erwägung ziehen, wieder zurück in die alte Heimat zu kommen. Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg sieht ein großes Potenzial in der Vermarktung der hiesigen Region, da die Wohnungsmarktsituation nicht so angespannt ist wie in den Metropolstädten anderer Bundesländer und die Region auf eine saubere Umwelt verweisen kann. Da gibt es noch viel Luft unser Bundesland in der öffentlichen Wahrnemung besser zu vermarkten.  

Investitionsbereitschaft der Unternehmen

Positiv wirkt auf die Investitionsbereitschaft die gute Gewinnlage der Unternehmen und der nach wie vor günstige Zugang zu Fremdkapital. Deshalb verwundert es nicht, dass nur 9 % der Unternehmen die Finanzierung als ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens nennen. Der Investitionssaldo ist allerdings gegenüber der Vorumfrage um 6 Prozentpunkte gefallen. In dieser geringeren Investitionsbereitschaft kommen die vorsichtigeren Erwartungen in diesem Herbst zum Ausdruck. 

Neben Ersatzinvestitionen, die ähnlich wie in früheren Umfragen, von knapp 70 % der Unternehmen durchgeführt werden, stehen bei der aktuellen Umfrage Erweiterungsinvestitionen im Vordergrund. Rund ein Drittel der Unternehmen plant Erweiterungsinvestitionen. Damit hat dieses Investitionsmotiv stark an Bedeutung gewonnen im Vergleich zu den Umfragen der Vorjahre. Angesichts der ausgelasteten Kapazitäten in den Unternehmen überrascht das nicht.

Zusammenfassung

Die Wirtschaft der Kammerregion ist in einer sehr guten Verfassung. Die Gewinne haben sich positiv entwickelt, die Auftragslage befindet sich auf hohem Niveau. Der überdurchschnittlich sonnige Sommer hat dem Gastgewerbe starken Auftrieb gegeben. Gleichzeitig gibt es Anzeichen, dass das Wachstum im kommenden Jahr schwächer ausfallen wird. Die Erwartungen der Unternehmen sind vorsichtiger geworden und dies bremst ihre Investitionsbereitschaft. Die Unternehmen leiden unter dem Fachkräftemangel. 42 % der Unternehmen in der IHK-Region können im Durchschnitt zwei bis drei offene Stellen längerfristig nicht besetzen, so dass die Unternehmen ihr Wachstumspotential nicht ausschöpfen können. Außerdem hat die Industrie als Konjunkturmotor an Schwung verloren. Dies würde sich mit einer gewissen Verzögerung negativ auf die Nachfrage nach industrienahen Dienstleistungen auswirken. Allerdings wird der private Konsum aufgrund der weiterhin positiven Entwicklung der verfügbaren Einkommen nach wie vor die Konjunktur in der IHK-Region stützen. Der Einzelhandel und die haushaltsnahen Dienstleistungsunternehmen werden davon profitieren.

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