Landwirte in M-V von extremen Niederschlägen besonders betroffen

Verregneter Sommer

Mecklenburgische Seenplatte | 30.08.2011

Überschwemmung in Mecklenburg-Vorpommern
Überschwemmung in Mecklenburg-Vorpommern Juli 2011

In Vorbereitung einer Pressekonferenz anläßlichder 21. MeLa, die vom 15. bis 18. September in Mühlengeez stattfindet, ging Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus auch auf das außergewöhnliche Witterungsgeschehen ein:

Allein im Juli fielen in M-V im Durchschnitt 226 mm Niederschlag. Das sind 349 % des langjährigen Mittelwertes, der bei 65 mm liegt. Auch in den ersten beiden Augustwochen fiel bereits soviel Niederschlag, dass das langjährige Monatsmittel an einigen Wetterstationen erreicht bzw. überschritten wurde. Die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist von den Witterungsschäden besonders betroffen. In keinem anderen Land hat es so viel und so anhaltend geregnet wie bei uns. Dies gilt sowohl im landesweiten als auch europaweiten Vergleich.

Betroffen von den Extremniederschlägen ist ganz Mecklenburg-Vorpommern, wobei die Gebiete in den Flussniederungen als auch im Küstenbereich besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Entweder steht das Wasser auf den Flächen oder sie sind wegen der Nässe wahrscheinlich für lange Zeit nicht befahrbar.

Während die Wintergerstenernte abgeschlossen ist, kam die Ernte von Winterweizen, Roggen, Triticale und Raps vor allem in den nördlichen und östlichen Landesteilen nahezu zum Erliegen. Die Qualität des inzwischen überständigen Getreides nimmt ständig ab. Die Backqualität ist nicht mehr zu erreichen und beim Raps nehmen die Verluste durch geplatzte Schoten und vorzeitige Keimung zu.

Die Sommergetreidearten sind in der Entwicklung noch etwas verzögert, so dass hier die Erntearbeiten nicht so stark beeinträchtigt sind, allerdings nimmt der Krankheitsbefall, insbesondere mit Pilzkrankheiten, zu.

Die Felder können nicht befahren werden. Deshalb gibt es Schwierigkeiten bei der Beräumung, Bearbeitung und Wiederbestellung geernteter Flächen. Verbreitet sind die Grünlandflächen in den Niederungsgebieten der Flüsse überflutet. Hier fällt die aktuelle Futterernte aus bzw. das Grünland kann nicht beweidet werden, so dass das Vieh zum Teil auf die für die Winterfütterung vorgesehenen Flächen getrieben werden musste.

Auch Hackfrüchte sind betroffen. So leiden sowohl die Zuckerrüben als auch die Kartoffeln unter einem erhöhten Krankheitsdruck.

"Dennoch ist es schwierig schon jetzt eine seriöse Schadensberechnung vorzunehmen. Dazu gibt es noch zu viele Unbekannte bzw. variable Größen. Das betrifft vor allem die Preise aber auch die Entwicklung des Wettergeschehens in den kommenden Wochen. Was wir jetzt tun können, wird getan. Die Schäden werden erfasst und dokumentiert. Das ist die wesentlichste Voraussetzung, um Hilfen gewähren zu können. Sollte sich die Situation für einzelne Betriebe so dramatisch entwickeln, dass sie aufgrund der Witterungsunbilden um ihre Existenz fürchten müssen, wird die Landesregierung auch helfen", versicherte der Minister.

Schon jetzt gibt es durch die Landesregierung folgende Hilfsangebote:

  • Stundung von Pachtzahlungen,
  • Stundung der Raten zur Tilgung öffentlicher Darlehen.
  • Finanzämter gewähren auf Antrag Zahlungsaufschub für Steuerschulden.
  • Die landwirtschaftliche Rentenbank stellt Liquiditätshilfedarlehen zur Verfügung, welche auch für Betriebsmittel gewährt werden.
  • Landwirtschaftsminister Backhaus setzt sich für eine vorzeitige Auszahlung der Flächenprämien bereits zum 1.12. ein ( eine Zusage der Bundesministerin Aigner steht noch aus).
  • Das Ministerium hat eine Richtlinie zur Gewährung von beihilfefreien Landesbürgschaften auf den Weg gebracht.

"All diese Maßnahmen dienen dazu, die Liquidität in den Betrieben zu verbessern. Ich appelliere aber auch an den Berufsstand, sich solidarisch zu zeigen und z.B. Futterbörsen zu organisieren. Sollten Tierbestände in Gefahr sein, habe ich kein Verständnis dafür, wenn Biogasanlagen mit Futter befeuert werden", betont der Minister.

Natürlich werde man sich auch auf der MeLa mit der aktuellen Situation der Landwirte befassen, explizit auf dem Bauerntag. Aber man dürfe die MeLa nicht darauf beschränken.

"Die MeLa ist die größte Fachmesse für den landwirtschaftlichen Bereich, für die Forst- und Fischwirtschaft in ganz Norddeutschland. Sie ist die bedeutendste und größte Messe des Landes sowohl im Hinblick auf die Zahl der Besucher als auch auf die Ausstellungsfläche. Sie hat kontinuierlich an Vielfalt gewonnen und sich zu einem Besuchermagnet für die ganze Familie gemausert. Und das wird sie auch in diesem Jahr wieder unter Beweis stellen", unterstrich der Minister.

Die MeLa ist Jahr für Jahr gewachsen. Die Erweiterung des MeLa Geländes erreichte im letzten Jahr ihren Höhepunkt. Insgesamt stehen 308.000 Quadratmeter zur Verfügung, davon 170.000 Quadratmeter Ausstellungs- und Aktionsfläche. Der neue Teil des Geländes wurde in diesem Jahr besser in das gesamte Ausstellungskonzept integriert.

Mit Stand 10. August haben sich 896 Aussteller angemeldet, davon 383 Tieraussteller und 513 Fachaussteller. 278 Aussteller sind aus anderen Bundesländern, 20 Aussteller kommen aus dem Ausland, so aus:

Belgien, Lettland, Niederlande, Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und Usbekistan. Usbekistan ist in diesem Jahr Gastland der MeLa.

Die Ausstellung des Ministeriums in der Halle 1 auf der MeLa ist dem Thema "Ausbildung und Nachwuchsgewinnung" gewidmet.

"Wir haben unseren Stand optisch komplett neu gestaltet und aufgepeppt. Ich bin überzeugt, dass wir damit tatsächlich junge Menschen erreichen werden", so der Minister.

Zum 1.8.2011 wurden insgesamt 98 Ausbildungsverträge im Bereich der Agrar- und Hauswirtschaft abgeschlossen. Damit kann der Bedarf keinesfalls gedeckt werden.

Im Vergleich zum Vorjahr, und auch da konnte der Bedarf nicht gedeckt werden, bedeutet dies ein Minus von 52. Der Rückgang fällt besonders drastisch bei den Landwirten aus (- 30).

"Ich weiß, dass auch andere Branchen händeringend Fachkräfte suchen. Die Landwirtschaft steht hier nicht allein da. Aktionen wie der Tag des offenen Hofes sind gut, reichen aber nicht aus. Neben einer offensiveren Werbung einschließlich sachgerechter Information gehört dazu eine angemessene Entlohnung und das bereits für Azubis", so der Minister.

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

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