Arbeitslosenzahl sinkt deutlich - 2.600 freie Jobs in der Seenplatte

Der Arbeitsmarkt im April 2017

Mecklenburgische Seenplatte | 03.05.2017

Beratungsgespräch; Foto: Bundesagentur für Arbeit
Beratungsgespräch; Foto: Bundesagentur für Arbeit

„In der Seenplatte zeichnen die Zahlen am Arbeitsmarkt einmal mehr ein gutes Bild: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt auf Rekordstand. Dabei ist die Zahl der offenen Stellen im Jahresvergleich noch einmal deutlich gestiegen und die Arbeitslosigkeit weiter gesunken. Sie fiel erstmals seit Dezember deutlich unter die Marke von 15.000. 

Noch niedriger war die Arbeitslosenzahl in keinem April. Weiterhin sehr gute Aussichten für die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den kommenden Monaten.“, sagte der Sprecher der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Ronny Steeger, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Überblick

  • Insgesamt 14.649 Arbeitslose: ein Minus zum Vormonat (-1.468), ein Minus zum April 2017 (-2.996)
  • Arbeitslosenquote in der Seenplatte 10,8 Prozent
  • Mit 93.522 Rekordstand bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Stichtag 30.09.16)
  • Seit Jahresbeginn: 12.704 Zugänge von Arbeitslosen – dem gegenüber stehen 13.794 Abmeldungen von Arbeitslosen, 3.268 Arbeitsstellen eingeworben
  • Langzeitarbeitslosigkeit sinkt um 16 Prozent (im Vorjahresvergleich)
  • Im Vorjahresvergleich: überdurchschnittlicher Rückgang bei Ausländern, Frauen und jüngeren Arbeitslosen bis unter 25 Jahre
  • Zum Vormonat: überwiegend Arbeitslose aus dem Bereich der Arbeitsagentur profitieren
  • Über 2.600 freie Stellen
  • Arbeitslosigkeit Älterer (50 Jahre und älter) nimmt weiter ab (-14 Prozent gegenüber dem Vorjahr).
  • Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr in allen Regionen in der Seenplatte. Stärkster Rückgang in der Region Waren (-22 Prozent)
  • Zahl der offenen Ausbildungsplätze übersteigt Zahl der Bewerber

Sowohl im Vorjahres- und Vormonatsvergleich ist ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosenzahlen zu melden. Agentursprecher Ronny Steeger erklärt: die Frühjahrsbelebung - mit einer wachsenden Beschäftigung in den witterungsabhängigen Berufen - hat die Arbeitslosigkeit verringert. Hinzu kommt eine stabile Konjunktur. Ein weiterer Grund für den Rückgang ist die demografische Entwicklung: „582 Arbeitslose gingen in den vergangenen zwölf Monaten aus der Arbeitslosigkeit in die Rente“, sagt Steeger.

„Knapp 3000 Arbeitslose weniger als im Vorjahr, das sind deutliche Zeichen. So wenige Arbeitslose im April eines Jahres hatten wir die letzten 27 Jahre nicht“, so Steeger.

Besonders erfreulich für Steeger: „dass sich die gute Beschäftigungsentwicklung auch für zwei Gruppen auszahlt, die es besonders schwer am Arbeitsmarkt haben: die Menschen mit Behinderung und die Langzeitarbeitslosen. Für beide geht die jeweilige Zahl der Arbeitslosen sowohl im Vorjahres- als auch im Vormonatsvergleich zurück“.

Der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften ist ungebrochen. So haben die Arbeitgeberservice-Teams in der Seenplatte, von Arbeitsagenturen und Jobcenter seit Jahresbeginn mehr als 3.260 sozialversicherungspflichtige Jobs eingeworben. Das sind 168 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders im Gastgewerbe, im Handel, im Bereich Soziales und Gesundheit sowie im Baugewerbe werden Mitarbeiter gesucht.

„Auch auf dem Ausbildungsmarkt zeigt sich, dass die Betriebe Fachkräfte brauchen. Für die Jugendlichen gibt es noch viele Chancen einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Im August fangen die ersten Ausbildungen an. Das sind noch drei Monate. Viel Zeit bleibt den Jugendlichen also nicht mehr sich zu bewerben. Wer noch nicht weiß, wie und wo er sich bewerben soll, kommt am besten zu unserer Berufsberatung. Es sind noch in vielen Berufen Ausbildungsstellen frei. Und wenn nicht, finden wir eine Alternative, “ so Steeger

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung zeichnet ein realistischeres Bild von der Verfassung des Arbeitsmarktes. Dabei werden neben Arbeitslosen auch Teilnehmer in Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im April bei 21.824, das waren 853 oder 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Insgesamt belief sich die Unterbeschäftigung im April 2017 auf 19.447 Personen. Im Vorjahresvergleich hat sie um 2.346 abgenommen. Der Anteil der Arbeitslosen ist von 81 Prozent im April 2016 auf 75 Prozent gesunken. Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 4.798 höher und die Arbeitslosenquote bei 14,1 Prozent.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit unterschiedlich. Die Spanne der Veränderungen reicht im April von -38% bei Ausländern bis -14% bei 50-Jährigen und Älteren.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten waren im April 4.180 Menschen arbeitslos. 1.055 weniger als im Vormonat und 237 mehr als im April 2016. Das entspricht einem Anstieg von 6 Prozent.*

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II - umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt - lag im April bei 10.469 Arbeitslosen. 159 weniger als im März und 1.387 weniger als im April 2016. Das entspricht einem Rückgang von 24 Prozent.*

*Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG I und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davor liegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im April konnten 5.000 Männer und Frauen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Darunter 1.125 Menschen denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert wurde. 838 Männer und Frauen wurden in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Insgesamt 645 Förderungen mehr als vor einem Jahr.

Gemeldete Arbeitsstellen

Im Landkreis der Mecklenburgischen Seenplatte ist die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Zurzeit gibt es über 2.600 freie Arbeitsstellen. 31 mehr als im Vormonat und 114 mehr als im April 2016. Seit Jahresbeginn haben die Arbeitgeberservice-Teams in der Seenplatte mehr als 3.260 sozialversicherungspflichtige Jobs eingeworben. 168 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die größte Nachfrage gab es im April aus den Bereichen: Callcenter und Zeitarbeit (849 freie Stellen im Bestand), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (360), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sowie Verkehr und Lagerei (337) im verarbeitenden Gewerbe (287), im Gastgewerbe (268) und im Baugewerbe (241).

Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Ausbildungsmarkt

Aktuelle Daten weisen für das neue Berufsberatungsjahr 2016/17 auf eine stabile Situation hin. Von Oktober 2016 bis April 2017 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 1.156 Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das waren 159 oder 12% weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 1.511 Ausbildungsstellen gemeldet, ähnlich viele wie im Vorjahresmonat. Am häufigsten waren Ausbildungsstellen gemeldet für angehende Kaufleute im Einzelhandel (98), Verkäuferinnen und Verkäufer mit 62, Koch/Köchin (57) und Kaufleute für Büromanagement mit 52 Ausbildungsangeboten. Der Ausbildungsmarkt ist im April noch stark in Bewegung. Deshalb ist es für eine fundierte Bewertung noch zu früh.

Ausländerarbeitslosigkeit

Die Zahl von Flüchtlingen macht sich auf dem Arbeitsmarkt immer noch nur wenig bemerkbar. Die meisten Zuwanderer befinden sich in Sprachkursen oder sonstigen Qualifizierungen. Im April waren in der Seenplatte 698 Ausländer arbeitslos gemeldet. Jeder zweite (56 Prozent) arbeitslos gemeldete Ausländer lässt sich auf die Flüchtlingseffekte aus den sogenannten außereuropäischen Asylzugangsländern* zurückführen.

Derzeit sind Arbeitslosenquoten für Ausländer aufgrund der starken Zuwanderung verzerrt. Sie werden deshalb unterhalb der Bundesländerebene nicht ausgewiesen. Bis auf weiteres werden betroffene Werte daher nicht angezeigt („X“) bzw. insgesamt betroffene Zeilen oder Spalten ausgeblendet.

*Das Aggregat beinhaltet die 8 nichteuropäischen Herkunftsländer, deren Bürger/-innen in den letzten Jahren die meisten Asylerstanträge gestellt haben. Es umfasst folgende Länder: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Agentur für Arbeit Neubrandenburg

 

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