Rechtsanwalt Volker Hepke

Rundung von Bruchteilen von Urlaubstagen

B4B Recht | 17.10.2018

Symbolbild Urlaubstage; Foto: AGA
Symbolbild Urlaubstage; Foto: AGA

Das Bundesarbeitsgericht bestätigt in seinem aktuellen Urteil, dass die Ab- oder Aufrundung von bruchteiligen Urlaubstagen nicht in Betracht kommt, sofern nicht gesetzliche, tarif- oder arbeitsvertragliche Bestimmungen Abweichendes regeln. Damit hat das Bundesarbeitsgericht seine bisherige Rechtsprechung (BAG, Urt. v. 23. Januar 2018 – 9 AZR 200/17) bestätigt.

Demnach setzt ein Auf- oder Abrunden eine entsprechende Rechtsgrundlage voraus, die sich entweder aus dem Gesetz, einem Tarif- oder Arbeitsvertrag ergeben kann. Das Bundesurlaubsgesetz enthält in § 5 Abs. 2 eine Aufrundungsregelung für die in Absatz 1 Bundesurlaubsgesetz abschließend aufgelisteten Fälle des Teilurlaubes. Da § 5 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz in allen anderen Fällen jedoch nicht anwendbar ist und darüber hinaus keine weitere Regelung betreffend die Rundung von Urlaubsansprüchen besteht, wird grundsätzlich auch ein Bruchteil von Urlaubstagen nicht auf- oder abgerundet. Vielmehr ist der Urlaub in einem solchen Fall in Höhe des ermittelten Bruchteils durch teilweise Arbeitsbefreiung an einem Tag zu erfüllen.

BAG-Urteil: Abrunden von Urlaubstagen ist nicht zulässig

In dem entschiedenen Fall, ging es um die Klage einer Fluggastkontrolleurin im Schichtdienst. Die Klägerin war seit 2002 bei der Beklagten beschäftigt. Ende 2007 ging sie in Mutterschutz, sodann in Elternzeit. Sie wurde erneut schwanger und anschließend arbeitsunfähig krank. Von April bis September 2015 arbeitete die Klägerin – unterbrochen durch ihren Jahresurlaub – wieder. Das Arbeitsverhältnis endete am 30.9.2015. Die Urlaubsberechnung ergab für sie 28,15 Urlaubstage im Jahr 2016. Der Arbeitgeber rundete ab und gewährte der Frau 28 Tage Jahresurlaub. Die Arbeitnehmerin war der Ansicht, ihr stehen die restlichen 0,15 Urlaubstage zu. Das Bundesarbeitsgericht entschied ebenso wie die Vorinstanz, dass der Urlaubsanspruch der Klägerin nicht auf 28 Arbeitstage abzurunden ist. Weder das Bundesurlaubsgesetz noch der im vorliegenden Fall anwendbare Manteltarifvertrag enthalten eine spezielle Regelung zu Abrunden von Urlaubstagen.

Arbeitgeber sollten in Arbeitsverträgen eine Rundungsvorschrift vorsehen

Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedürfnis nach einer praxistauglichen Handhabung dieser Fälle. Bruchteile von Urlaubstagen ergeben sich insbesondere bei einer Teilzeittätigkeit oder beim Wechsel zwischen Voll- und Teilzeit, die eine Umrechnung des Urlaubsanspruchs erforderlich machen. Daher sollten Arbeitgeber ggf. in ihren Arbeitsverträgen eine entsprechende Rundungsvorschrift vorsehen. Diesbezüglich ist allerdings darauf hinzuweisen, dass eine ausschließlich die Abrundung regelnde Vorschrift – zumindest im Rahmen von vorformulierten Arbeitsverträgen – wegen einer unangemessenen Benachteiligung des betroffenen Arbeitnehmers unzulässig sein dürfte.

Rechtsanwalt Volker Hepke

zurück drucken verlinken

Mehr zum Thema

Neues zum Urlaubsrecht Rechtsanwalt Volker Hepke

Der gesetzliche Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgesetz kann auch für den Zeitraum der Elternzeit gemäß § 17 Abs. 1 S. 1 BEEG vom Arbeitgeber ... [ zum Artikel » ]

Mobil mit dem Dienstrad ins Jahr 2019 Alternativ

Betriebliches Gesundheitsmanagement, Mitarbeiterbindung und nachhaltiges Handeln sind nur einige der Vorteile für Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder zur ... [ zum Artikel » ]

Wie lang darf eine Kündigungsfrist sein? Wie lang darf eine Kündigungsfrist sein?

Kündi­gungs­fris­ten schie­ben das durch ei­ne Kündigung be­wirk­te En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses hin­aus. [ zum Artikel » ]

Die Tarifbindung endet mit der Beendigung des Tarifvertrags Die Tarifbindung endet mit der Beendigung des Tarifvertrags. Foto: AGA

Im Jahr 2019 stehen erneut in vielen Branchen Tarifverhandlungen an, so auch im Groß- und Außenhandel. Die ersten Kündigungen der Tarifverträge sind von der ... [ zum Artikel » ]

Brückenteilzeit: Das hat sich geändert zum Jahreswechsel Symbolbild, Foto: AGA Norddeutscher Unternehmensverband Großhandel - Außenhandel - Dienstleistung e.V.

Seit Januar 2019 haben Arbeitnehmer das Recht auf sogenannte Brückenteilzeit, also die Möglichkeit aus befristete Teilzeit. Gesetzlich verankert ist die ... [ zum Artikel » ]

Fristlose Kündigung durch gravierenden Pflichtverstoß Symboldbild; Foto AGA

Bei einem gravierenden Pflichtverstoß des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit eine fristlose Kündigung auszusprechen. [ zum Artikel » ]

101 Köpfe

Holger Behrndt, geschäftsführender Gesellschafter Behrndt und Herud GmbH

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern kennen! 

Holger Behrndt steckt voller Ideen, kann übers Wasser laufen und schätzt ein, wie lang der Weg zum papierlosen Büro sein wird. Er weiß, dass es wichtig ist, in generationsübergreifenden Belegschaften alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg der Digitalisierung mitzunehmen. Über sein Unternehmen, die Prozesse der Digitalisierung  und vieles andere unterhielten wir uns mit ihm kürzlich.

Bücher aus der Region

Neuerscheinungen;  Copyright EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

rotz der aktuellen Einschränkungen infolge Corona-Krise geht das Lesen natürlich weiter, erklärt Verlegerin Gisela Pekrul, die Chefin der in Godern nahe der Landeshauptstadt Schwerin ansässigen EDITION digital. Allerdings seien dazu kreative Reaktionen nötig und andere Wege zu beschreiten als zu ganz normalen Zeiten. 

Anzeige
Anzeige

Bildergalerien

Faktor Wirtschaft

Titel FAKTOR WIRTSCHAFT 03/2020

IHK Zeitung Faktor Wirtschaft - März 2020

Titelthema:

Plädoyer für eine eigene wirksame Interessenvertretung
Warum Julius Kessow erster IHK-Präsident wurde und Rainer Stoppel VV-Mitglied