Rechtsanwalt Volker Hepke

Mobil mit dem Dienstrad ins Jahr 2019

B4B Recht | 28.03.2019

Alternativ

Betriebliches Gesundheitsmanagement, Mitarbeiterbindung und nachhaltiges Handeln sind nur einige der Vorteile für Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder zur Verfügung stellen. Seitdem Dienstfahrräder mit einer Gesetzesänderung im Jahre 2012 steuerlich den Dienstwagen im Großen und Ganzen gleichgestellt wurden (sog. Dienstwagenprivileg), ist insbesondere in Großstädten mit begrenztem Parkangebot, vollen Straßen und in der Regel kürzeren Arbeitswegen als auf dem Land, ein wahrer Hype auf Diensträder ausgebrochen. Bis zu 250.000 Diensträder sollen bereits deutschlandweit unterwegs sein. Allerdings gibt es in Sachen Dienstfahrrad auch einige Besonderheiten zu beachten.

Worauf ist bei der Überlassung eines Dienstfahrrads zu achten?

Der Arbeitgeber besorgt das Fahrrad (Kauf oder Leasing) und überlässt es seinem Arbeitnehmer – in der Regel auch zur privaten Nutzung. Dies ist vorzugsweise in einem entsprechenden Überlassungsvertrag geregelt. Die Anschaffungskosten bzw. Leasingraten kann der Arbeitgeber als Betriebsausgaben absetzen, so wie dies auch bei einem Dienstwagen möglich ist. Zudem kann der Arbeitnehmer weiterhin die Entfernungspauschale für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit 0,30 €/km entsprechend § 9 Abs. 1 Nr. 4 EstG geltend machen, da diese grundsätzlich unabhängig vom Verkehrsmittel gilt.

Der Arbeitnehmer muss das Fahrrad aber stets mit monatlich 1 Prozent des Brutto-Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, sofern dieses auch privat genutzt werden darf. Die weiteren 0,03 Prozent je Entfernungskilometer muss der Arbeitnehmer hingegen nur dann versteuern, wenn diesem ein E-Bike zur Verfügung gestellt wurde, das schneller als 25 km/h fahren kann.

Was gilt ab dem 1. Januar 2019?

Mit dem Jahressteuergesetz 2018 hat der Gesetzgeber im Herbst vergangenen Jahres beschlossen, umweltfreundliche Mobilität im Dienstfahrzeugsektor zu fördern. Einhergehend ist es zu einigen Änderungen bei der steuerlichen Beurteilung gekommen. Seit dem 1. Januar 2019 fällt deshalb nach § 3 Nr. 37 EStG die Verpflichtung zur 1-Prozent-Versteuerung weg, sofern der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Fahrrad zusätzlich zum Arbeitslohn zur Verfügung stellt. Damit dieser Steuervorteil zum Tragen kommen kann, bedarf es aber einer eindeutigen Kostenübernahme durch den Arbeitgeber.

Die Neuregelung betrifft daher nur einen kleinen Teil der Dienstfahrradnutzer. Denn soll es hingegen weiterhin, wie üblich, zu einer Barlohnumwandlung kommen, dem Arbeitnehmer wird das Fahrrad also als Sachlohn zur Verfügung gestellt und dafür behält der Arbeitgeber vom monatlichen Bruttolohn die Leasingrate und die Versicherungsprämie ein, verbleibt es bei der vollen Versteuerung mit der 1-Prozent-Regelung. Durch die Barlohnumwandlung kommt es zu einer Verringerung des zu versteuernden Einkommens für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber. Allerdings werden damit auch weniger Sozialabgaben abgeführt, welche sich wiederum negativ auf die künftige Rente auswirkt.

Ebenfalls neu: Regelungen für S-Pedelecs

Mit dem Jahressteuergesetz 2018 kommt es sogar zu einer Besserstellung von Nutzern schneller E-Bikes, den so genannten S-Pedelecs (bis 45 km/h), gegenüber den normalen Fahrradfahrern. Bei neu abgeschlossenen Leasingverträgen gilt nämlich seit dem 1. Januar 2019 die Halbierung der Bemessungsgrundlage (abgerundet auf volle 100 Euro) für die Versteuerung des geldwerten Vorteils nach der 1-Prozent-Regel. Damit sparen Nutzer dieser Fahrzeugkategorie künftig also die Hälfte des zu versteuernden geldwerten Vorteils für die private Nutzung. Wie bisher müssen die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte aber mit den 0,03 Prozent der Bemessungsgrundlage pro Entfernungskilometer und Monat versteuert werden. Für laufende Leasingverträge ändert sich indessen nichts.

Die nachteilige Behandlung zu Diensträdern ohne E-Antrieb erscheint unverständlich, entspringt aber der Regelung, dass S-Pedelecs aufgrund ihrer Motorisierung einer Betriebserlaubnis als Kleinkraftrad sowie eines Versicherungskennzeichens bedürfen und daher wie Dienstwagen behandelt werden. Die Halbierung der Bemessungsgrundlage gilt daher auch für Dienstwagen mit E-Antrieb.

Übrigens: Die oben genannten Neuregelungen sind zunächst begrenzt auf den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2021.

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