Folge 15

Stefan Blank

101 Köpfe | 12.03.2014

Stefan Blank - Inhaber der clever-fit-Studios in Neubrandenburg und Greifswald, Foto: Gudrun Stark
Stefan Blank, Geschäftsführer CF Fitness Greifswald GmbH, Foto: Gudrun Stark

im aktuellen Interview: Stefan Blank, Geschäftführer der Clever-fit-Studios Greifswald und Neubrandenburg über Zellkraftwerke, Franchising und geistige Fitness.

Steckbrief Stefan Blank

  • Jahrgang: 1980
  • Unternehmen: clever fit Neubrandenburg und Greifswald, Blank Personal Training Neuruppin
  • Anzahl der Mitarbeiter: 25
  • Unternehmer: seit 2006
  • Beruf: Koch, Sportassistent und geprüfter Wirtschaftsfachwirt, Fitnessfachwirt (FH)
  • Hobby: Sport in jedem Umfeld, Tennis, Fußball
  • Leidenschaft für: Familie, Kochen, Gesundheitsthemen

Warum haben Sie sich für ein Franchise-System entschieden und welche Unterstützung hilft Ihnen am meisten?
Der Vorteil eines Franchise-Systems ist, dass viele Dinge vorbereitet und erprobt sind. Entscheidende Kriterien für meine Wahl waren das geringe Startkapital und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Das Gesamtkonzept von der Farbgestaltung bis hin zur Marketingausrichtung hat mich überzeugt. Ich bin glücklich darüber, dass neue Ideen verfolgt und pilotiert werden, die dann in den Studios umgesetzt werden können. Damit kann ich mich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren und trotzdem von den strategischen Überlegungen profitieren.

Warum wird das Thema Sport und Bewegung in Unternehmen Ihrer Meinung nach unterschätzt?
Viele Menschen sind die meiste Zeit des Tages arbeiten und sind dort seit Jahren einseitigen Belastungen ausgesetzt – geistigen als auch körperlichen. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern sind die Fälle sogenannter Volkskrankheiten enorm hoch. Das steht im Widerspruch zu den betrieblichen Intentionen, wie der Steigerung der Produktivität und der Verringerung der Ausfallstunden durch Krankheit. Ich meine, es wird zu sehr unterschätzt, dass diese Ziele nur mit körperlicher Fitness erreicht werden können.

Ist da nicht eher die Eigenverantwortung der Mitarbeiter gefragt?
Sicher müssen wir auf die Grundmotivation des einzelnen Mitarbeiters aufbauen können. Viele Menschen zögern einfach anzufangen, weil Gesundheitsprävention nicht als primäres Ziel betrachtet wird, andere hingegen sind sehr stark familiär eingebunden oder haben auch einfach Ausreden. Daher setze ich auf eine gemeinschaftliche Initiative aus privatem Engagement und dem der Firma. Letztlich haben die Firmen auch ein großes Interesse daran, dass die Mitarbeiter fit, gesund und leistungsfähig sind. Wir wollen nicht mehr nur die Teilnahme an dem Firmengesundheitstag.

Warum lehnen Sie diese ab?
Weil ich zur Erkenntnis gekommen bin, dass es ein alljährlich wiederkehrender Tropfen auf den heißen Stein ist. Weder die Geschäftsführungen von Unternehmen noch die Mitarbeiter verfolgen die Idee dann weiter. Die Dienstleister hingegen, die ihre Leistungen im Unternehmen präsentieren, sei es die Apotheke, die Krankenkasse oder die Sportstudios bieten die Leistungen kostenlos an. Wir machen das seit Jahren, ohne die gewünschten Ziele erreicht zu haben. Also müssen wir etwas ändern.

Mit welchem Konzept wollen Sie Unternehmen von Ihrem Anliegen überzeugen?
Es geht um die Gründung einer Betriebssportgemeinschaft oder Gesundheitsgruppe, die eine hohe Teilnahmequote hat. Wir wollen die Gründung in den Firmen begleiten. Es sollen keine von außen implementierte Gesundheitsangebote sein. Es handelt sich um ein nachhaltiges, langfristiges Konzept. Ziel ist ein neues Denken und Handeln. Dafür werden wir Daten der Firmen analysieren. Es geht dabei um Gesundheitskennzahlen und eine Fehlzeiten. Wir werden die Arbeitsplätze betrachten und auch die Ernährung der Mitarbeiter analysieren. Anhand der Analyse können wir Empfehlungen geben, um dann Maßnahmen festzulegen, die mit einem Budget hinterlegt werden. Die Ergebnisse werden regelmäßig überwacht und die Maßnahmen evaluiert. Diesen Service werden wir in MV auch für Firmen anbieten, die mehrere Filialen haben. Auch außerhalb unseres eigenen „clever fit“- Einzugsbereiches wollen wir die Betreuung der Mitarbeiter sicherstellen. Das neue Konzept ist die logische Konsequenz aus dem, was seit Jahren stattfindet und keine Nachhaltigkeit bringt. Wenn man nur einmal 160 € Ausfallkosten je erkranktem Mitarbeiter am Tag in Betracht zieht, hochgerechnet auf den Krankenstand in einem Callcenter, der nach einer Studie der TGMC Management Consulting GmbH bei ca. 10 Prozent liegt, kann sich jeder im Ansatz ausrechnen, welche Kosten entstehen. Die Mitarbeiter haben durch das Konzept sogar die Möglichkeit, eine Rückerstattung über eines der Bonussysteme der Krankenkassen zu erhalten. Damit ist das Motivationsmodell für den Mitarbeiter auch hoch.

Was können Sie dafür tun, dass die Akzeptanz der Work-Life-Balance in hiesigen Unternehmen größer wird?
Das Konzept funktioniert nur mit einer hundertprozentigen Unterstützung durch die Geschäftsleitungen. Wenn ich für ein Thema brenne, dann kann ich deutlich mehr Begeisterung entfachen, als wenn ich ständig Leute mit einem Thema anspreche, für das sie nicht zu gewinnen sind. Es geht darum im Unternehmen eine Synergie aus Zufriedenheit, Gesundheit, Produktivität und aus Selbstverständnis zu erreichen. Das sind Dinge, die ich nicht messen kann. Dennoch können wir die entstehenden Kosten ins Verhältnis zu den Kosten durch krankheitsbedingten Personalausfall setzen und den Return on Investment berechnen. Am Ende steht eine positive Zahl für das Unternehmen und letztlich auch für den einzelnen Mitarbeiter in einer besseren Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit.

Wie hängen geistige Fitness und sportlicher Ausgleich miteinander zusammen?
Nun, ich will nicht zu wissenschaftlich werden … Wenn Sie ein fittes Zellkraftwerk in Ihrem Körper haben, also Mitochondrien, die Energie und Sauerstoff speichern, dann haben Sie schon etwas erreicht. Sie wissen, dass gesunde Ernährung auch viel dazu beiträgt. Sie wissen, dass Sie Glukose benötigen, um Energie zu erzeugen und Sie wissen, dass ein gesunder Stütz- und Bewegungsapparat und eine gute Durchblutung wichtig sind. All diese Dinge müssen eine Symbiose ergeben, dann ist der Mensch auch in der Lage, geistig frisch zu agieren. Dazu gibt es viele wissenschaftliche Untersuchungen. Insbesondere Sport ist dabei ein sehr wichtiger Faktor, der all diese chemischen Prozesse im Körper positiv unterstützt. 

Warum sollte ich mich für Ihren Präventionssport entscheiden, wenn ich auf der Suche wäre?
Nehmen wir das typische Leiden der Deutschen: das Thema Rücken. Wenn sich jemand entscheidet, aktiv für eine gesunde Rückenmuskultur Sport zu treiben, dann legt er für sich ein Budget fest. Es werden die Rahmenbedingungen abgesteckt. Dann spielt die fachliche Komponente eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung, genauso wie die des Ambientes. Dabei setzt derjenige, der Sport treiben möchte die Leistung ins Verhältnis zum Preis und wird, ohne überheblich klingen zu wollen, im „clever fit“ trainieren. Wenn das Thema Wellness bei der Entscheidung mit berücksichtigt wird, dann gibt es sicher auch andere Anbieter. Aber allein auf das Thema Bewegung und Gesunderhaltung bezogen, wird er sicher bei uns das beste Angebot bekommen. 

Welche festen Punkte muss ein Tag für Sie haben, damit Sie am Abend gut schlafen?
Am Morgen bin ich gern mit meiner Familie zusammen. Da schaffe ich momentan nicht immer. Ein gesundes Frühstück bestehend aus Obst, Gemüse, Joghurt, Ei …
Mir ist der Umgang mit den Menschen, das Gespräch mit Kunden, meinen Mitarbeitern und konzeptionelles Arbeiten sehr wichtig. Dabei geht es im „clever-fit“-Beirat, in dem ich mit arbeite oft um sehr ambitionierte Themen. Naja und ein Stündchen Sport gehört natürlich dazu.

Wo und wie können Sie die Seele am besten baumeln lassen?
Autofahren ist für mich inspirierend. Dabei kommen mir viele Ideen. Ich höre während der Fahrt oft Hörbücher. Richtig entspannend ist für mich die Zeit mit meiner Familie oder ein Gang in die Sauna.

Gesunde Ernährung im Alltag ist für Sie ein Ding der Unmöglichkeit oder täglich gelebte Praxis?
Ja, was soll ich Ihnen erzählen?

Nichts als die Wahrheit!
Es ist nicht immer einfach. Zum großen Teil ja aber es ist nicht immer realisierbar. Entscheidend ist die ernährungsphysiologische Zusammensetzung. Das Thema „a la carte“ zu kochen und der Stress, der mit dem Beruf des Kochs verbunden sind, das wollte ich nicht mehr ich mag aber sehr die gepflegte Küche. Damit meine ich wirklich, sich drei Stunden Zeit zu nehmen und gesunde Gerichte zu kreieren.

Was machen Sie in fünf Jahren?
Ich werde hoffentlich gesund sein und hoffe meine Familie ist auch gesund. Dann werde ich Spaß haben an dem, was ich beruflich tue.

 

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