Folge 5

Dr. Ralf Dietrich

101 Köpfe | 13.12.2010

Dr. Ralf Dietrich
Dr. Ralf Dietrich

Geschäftsführer der Förder- und Entwicklungsgesellschaft Uecker-Region mbH über die Entwicklung der Region und potentielle Gewerbeneuansiedlungen.

Das Küstenhinterland wirbt unter dem Namen „Region am Stettiner Haff“ um Investoren

Die Förder- und Entwicklungsgesellschaft Uecker-Region mbH steht allen einheimischen Firmen sowie Investoren und Gründern, die sich in der Wirtschaftsregion „Stettiner Haff“ engagieren wollen, als Partner zur Verfügung. Die Mitarbeiter beraten und informieren gebührenfrei über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Standorte, Industrie- und Gewerbeflächen sowie Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Investoren können auf die Kontakte zu regionalen und zentralen Behörden und Institutionen, Banken und Kooperationspartnern durch die Förder- und Entwicklungsgesellschaft bauen und werden von der Projektidee bis hin zur Realisierung durch ein kompetentes Team betreut.

Seit 1992 betreuen Sie Investoren im Landkreis Uecker-Randow, welche erfolgreichen Gewerbeansiedlungen konnten Sie mit begleiten?

Dr. Ralf Dietrich: Drei große Callcenter, die heute 1.300 Mitarbeiter beschäftigen, haben sich in der Region angesiedelt. Dabei waren wir maßgeblich mit im Boot. Darüber hinaus haben wir unser Know-how einbringen können bei der Entwicklung von zwei Kompetenzzentren und deren Belegung mit Mietern. In Pasewalk hat sich das Kompetenzzentrum für Flugzeugentwicklung und Flugzeugbau wirtschaftlich bestens positionieren können.

Die Remos Aircraft ist mit dem Bau von Kleinflugzeugen besonders für den amerikanischen Markt gut ausgelastet und ein Aushängeschild für unseren Kreis. In Strasburg (Um.) haben wir Firmen in einem Kompetenzzentrum für Ernährungswirtschaft ansiedeln können, die inzwischen den „Kinderschuhen“ entwachsen sind oder das Zentrum wieder verlassen haben. Daher sind wir für Strasburg (Um.) wieder auf der Suche nach neuen Unternehmensansiedlungen oder Existenzgründungen. Mehrere Metall verarbeitende Gewerbeansiedlungen konnten wir ebenfalls begleiten. Hervorzuheben ist auch ein Netzwerk, welches unter dem Namen „Pommersches Landleben e. V.“ einheimische Produzenten und Tourismusanbieter in ihren Bemühungen um die Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen vereinigt.

Welche Standortvorteile sind im Landkreis einmalig?

Dr. Ralf Dietrich: Ich sehe den Landkreis Uecker-Randow als Schnittpunkt zwischen Deutschland, Stettin, Skandinavien, Hamburg und Berlin. Die Verkehrsinfrastruktur ist bestens mit der Anbindung an die Autobahnen A 11 und A 20, über die man staufrei und schnell nach Berlin oder Hamburg kommt. Über die Häfen in Swinemünde, Ueckermünde und auch die großen deutschen Fährhäfen ist sowohl die Verschiffung von Waren möglich als auch die Nutzung von Fährverbindungen für den Wirtschaftsverkehr nach Skandinavien bestens abgesichert. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Polen profitieren wir von einem jungen EU-Mitgliedsland. Allein in Stettin leben 420.000 Einwohner, in der Wojewodschaft Westpommern gibt es ein Marktpotenzial von über 1 Mio. Einwohnern. Im kommenden Jahr wird die Arbeitsnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai neu geregelt.

Damit haben wir die Chance, einen gemeinsamen Arbeitsmarkt aufzubauen. Viele Selbstständige und eine noch kleinere Zahl an Arbeitnehmern pendeln schon heute im grenznahen Bereich zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. Im Landkreis Uecker-Randow liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei über 15 %. Die meisten Arbeitslosen sind willig zu arbeiten. Damit gibt es hier noch Möglichkeiten zur Deckung des Fachkräftebedarfs bei entsprechender Qualifizierung. Wir können im Landkreis auf aus unserer Sicht gut erschlossene und preisgünstige Gewerbeflächen verweisen und eine sinnvolle Förderung für Unternehmensansiedlungen. Hierzu gehören auch die entsprechenden Dienstleister und „Kümmerer“. Die Region bietet wirklich allen Wirtschaftszweigen, die Märkte und vorhandene Ressourcen hier sinnvoll und wirtschaftlich tragbar zusammenbringen können, beste Ansiedlungsbedingungen.

Welche Investitionsschwerpunkte würden die vorhandene Wirtschaftsstruktur gut ergänzen?

Dr. Ralf Dietrich: Wir haben im Landkreis zwei moderne große Gießereien, und zwei kleine Gießereien. Zahlreiche Unternehmen aus dem Metallgewerbe haben sich hier niedergelassen und finden gute Voraussetzungen für ihre Produktion sowie die Einbeziehung von Kooperationspartnern. Im Landkreis sind die Voraussetzungen für die Ausbildung des Nachwuchses auch bestens. Für die Berufsschulklassen der Metallbranche wurden Lehrwerkstätten geschaffen, die in der Verbundausbildung nicht mehr wegzudenken sind.

Ein weiteres Potenzial sehe ich in der Landwirtschaft. In der Region sind sowohl ein großer Backwarenhersteller ansässig als auch ein Fleischverarbeitungsbetrieb, deren Produkte in vielen Märkten und damit Regionen Deutschlands die Stadt Pasewalk bekannter machen. Der Markt hat aber aus unserer Sicht in der Lebensmittelverarbeitung noch Potenziale, die nicht ausgeschöpft sind. Hier in der Region hat sich z. B. die ökologisch zertifizierte Rinder- und Schweinehaltung etabliert, Verarbeitungskapazitäten und neue Produkte auf der Basis der ökologischen Haltung fehlen jedoch. Darüber hinaus haben Dienstleistungsunternehmen eine gute Chance.

Die Voraussetzungen, die die Hafenanbindung in Ueckermünde mit dazugehörigen freien Gewerbeflächen bietet, sind für den Bereich der Logistik und hafennahen Wirtschaft bestens. Das Arbeitskräftepotenzial lässt sich künftig auch grenzüberschreitend nutzen. Nicht zu vergessen sind wir natürlich auch eine Tourismusregion, die von Jahr zu Jahr steigende Gästezahlen verzeichnet. Als Küstenhinterland ist das Stettiner Haff schnell von der Insel Usedom aus mit dem Schiff zu erreichen. Der Tourismus ist für uns ein Wachstumsmarkt. Die Angebotsvielfalt für Urlauber konnte bereits bereichert werden. So u. a. durch die Haff-Sail – eine maritime Veranstaltung, die Unternehmen der maritimen Branche die Präsentation ihrer Produkte ermöglicht und mit Sport und Kultur ein Rahmenprogramm bereithält.

Welche Projekte werden aktuell betreut?

Dr. Ralf Dietrich: Wir haben derzeit einen völlig neuen Kontakt zu chinesischen Investoren aus der Metallbranche. Die Absichten scheinen ernsthaft zu sein. Daraus wiederum haben sich im Laufe des Jahres weitere Anfragen aus China ergeben, die noch nicht so fortgeschritten sind. Wir haben auf dieser Basis mit Partnern begonnen, ein chinesisch-deutsches Investorennetzwerk aufzubauen. Mehr möchte ich darüber aber noch nicht sagen. Wir wollen mit einem Pilotprojekt deutsche und polnische Auszubildende der Metall verarbeitenden Berufe gemeinsam ausbilden und sind sehr optimistisch, dass wir damit im kommenden Ausbildungsjahr beginnen können. Hier lernen die jungen Menschen von der Pike auf gemeinsam, und Sprachbarrieren werden von vorneherein abgebaut. Dass es funktioniert, wurde allen mit dem Deutsch-Polnischen Gymnasium in Löcknitz vor Augen gehalten. Ein wichtiges Projekt ist die Lösung des Fachkräfteproblems.

Die Frage: Wie schaffen wir es, dass die Fachkräfte über die Qualifizierung verfügen, die die Wirtschaft braucht, hat uns den Weg vor Augen geführt. Wir bilden künftig gemeinsam mit Partnern aus Westpommern einen Pool an Fachkräften die eine Grundqualifikation besitzen, um dann bei speziellen Anforderungen der Wirtschaft darauf aufbauend weiterzuqualifizieren. Die Analyse für den deutsch-polnischen Arbeitskräftebedarf und -markt liegt bereits vor. Natürlich will auch die Region Uecker-Randow sich stärker in die Weiterentwicklung des regenerativen Energiepotenzials einbringen. Ich habe mit zahlreichen Herstellern von Windkraftanlagen bzw. Solarmodulherstellern bereits Kontakt aufgenommen und hoffe, dass unsere Standortbedingungen zu einer Ansiedlung führen.

Die Wirtschaftskrise hatte den Landkreis ziemlich hart getroffen, wie ist die derzeitige Situation?

Dr. Ralf Dietrich: Wir haben Ende letzten Jahres mit Unterstützung der Gewerbeämter eine Befragung der hiesigen Unternehmen durchgeführt. Über die positive Grundstimmung mitten in der Krise war ich persönlich überrascht. Wir haben ca. 500 Antwortbögen zurückbekommen. Viele Unternehmen gaben an, künftig investieren zu wollen, Mitarbeiter einzustellen oder auch Lehrlinge auszubilden. Die wirtschaftliche Lage wurde dennoch eher verhalten eingeschätzt. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind damals strukturbedingt auch nicht so stark zu spüren gewesen, wie in anderen Regionen. Trotzdem hat es einige Unternehmen doch hart getroffen.

Wir merken es auch an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Aus meiner Sicht sind die Unternehmen im Landkreis später in die Krise hineingeraten und kommen auch etwas später heraus. Der Konsolidierungsprozess ist gerade im Gange. Es sind wenig Klagen zu hören aber auch noch kein Jubel. Auch wir konnten zwar einige Investoren für die Region interessieren, dennoch haben wir im Moment keine handfeste Erfolgsmeldung. Im Januar 2009 haben sich letztmalig drei - darunter ein größeres Unternehmen - hier angesiedelt. Im Laufe des Jahres haben wir auf zahlreichen Messen für den Standort geworben und auch einige Unternehmen für die Region interessieren können. Ich freue mich darauf, die angebahnten Kontakte und Gespräche zu vertiefen. Dem nächsten Jahr sehe ich sehr optimistisch entgegen.

zurück drucken verlinken

101 Köpfe

Teaser 101 Koepfe

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern kennen!

B4B MECKLENBURG-VORPOMMERN stellt Ihnen in erfrischend kurzen, jedoch umso unterhaltsameren Interviews die interessantesten Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Sport und  Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern vor. Lernen Sie die Region und Ihre Persönlichkeiten von einer anderen Seite kennen.

Noch Fragen?

noch fragen 101 Köpfe

Sie kennen einen interessanten "Kopf" aus Mecklenburg-Vorpommern, den es sich zu fragen lohnt?

Dann schicken Sie uns eine E-Mail!

Bücher aus der Region

Wer kämmt das Haar in der Suppe? © EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

(lifePR)  Da muss man erst mal drauf kommen, um solche lebensklugen, witzigen, wortspielerischen und auch zungenbrecherischen Texte zu verfassen. Gabriele Berthel hat es gekonnt getan und sie 2004 unter dem originellen Titel „Wer kämmt das Haar in der Suppe?“ veröffentlicht – zusammen mit den ebenso poetischen wie zugleich kraftvollen Illustrationen von Helga Kaffke. Lange war der Vergnügen stiftende Band vergriffen.