Folge 7

Daniel Bojahr

101 Köpfe | 09.11.2011

Daniel Bojahr
Daniel Bojahr, General Manager des Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee, Foto: privat

Im aktuellen Interview: Herr Daniel Bojahr, General Manager des Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee über Chancen im Land Mecklenburg-Vorpommern für junge Fach- und Führungskräfte, Respekt und Toleranz.

Herr Bojahr, wenn ich richtig informiert bin, sind Sie 32 Jahre alt. Das ist das Alter, in dem andere junge Menschen nach einem Studium ins Berufsleben einsteigen. Sie haben – ich will nicht sagen rasante - aber doch sehr zügige Karriere erlebt, sind Hoteldirektor in einem Schloss. Wer hat Sie motiviert, in so kurzer Zeit so schnell in diese Position zu gelangen?
Daniel Bojahr: Das ist keine Person gewesen, die mich motiviert hat. Das waren viele verschiedene Umstände, zu denen ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich war auf der naiven Suche nach einem Job, in dem ich am Wochenende frei und in der Woche gegen 18.00 Uhr oder 19.00 Uhr Feierabend hatte. Ich musste feststellen, dass so etwas zu finden schwierig ist. Dann erfuhr ich von einem Bekannten, dass hier im Radisson SAS Resort Schloss Fleesensee die Stelle als Meeting- und Eventkoordinator vakant war. Doch die Stelle war schneller bestzt, als ich mich bewerben konnte, so habe ich zunächst die Position des Barmanagers hier im Haus angenommen. Diese Position war für mich erst einmal ein Karriereschritt zurück. Einige Tage später habe ich mit unserem damaligen Hoteldirektor Herrn Förster gesprochen und sagte ihm, dass die Position des Barmanagers nicht die Erfüllung meiner beruflichen Träume sei, und ich mich eher im Veranstaltungsbüro sehe. Er meinte, es sei gut zu wissen, wenngleich dieser Vorstoß etwas dreist von mir sei. Herr Förster fand es immer gut, wenn jemand wusste, wohin er gehen wollte. Die Position des Meeting- und Eventkoordinators wurde nach wenigen Wochen frei. Dann habe ich Herrn Förster vorgeschlagen, dass ich mittags von 12.00 bis 18.00 Uhr im Veranstaltungsbereich ehrenamtlich arbeite und anschließend die Bar übernehme. Dieser Deal galt für drei Monate. Nach dieser Zeit habe ich die Position im Veranstaltungsbereich bekommen. Dann erst kam die Erkenntnis, dass ich in diesem Job nur selten am Wochenende freihatte, aber ich war abends bei meiner Familie. Ich wurde relativ früh Vater. Ich war damals 25 Jahre alt. Es ist natürlich schön, abends bei Frau und Kind zu sein. Irgendwann ging mein Vorgesetzter im Veranstaltungsbüro und unser F&B-Manager hatte auch Pläne, sich zu verändern und Karl Förster schickte mich nach Irland.

Irland hatte damals die Verhältnisse, wie wir sie bald hier haben werden. Es herrschte absoluter Fachkräftemangel und somit war das Land populär dafür, die Sprache zu erlernen. Nach einem halben Jahr war ich wieder zurück und übernahm die Leitung des Veranstaltungsbüros und die Position des F&B-Managers. Ich habe einige Veranstaltungen organisiert, unter anderem das SAS World Final, ein viertägiges Golftournier mit den besten Kunden der SAS, der Fluggesellschaft, die damals unsere Muttergesellschaft war. Wir haben es als einziges Hotel geschafft, dass sie drei Jahre später ein zweites Mal zu uns kamen. Dort habe ich wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich bekam das Angebot, auf Rügen die Leitung eines Hotels zu übernehmen. Das Angebot lehnte ich ab. Meine Begründung: mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt, eineinhalb Jahre alt, und ich wollte sehen, wie er heranwächst. Zwei Wochen später bekam ich ein neues Angebot für das SAS in Neubrandenburg und hatte drei Tage Zeit, mich zu entscheiden. Am 16. Oktober 2006 hatte ich meinen ersten Tag als Hoteldirektor in Neubrandenburg. Ich hatte zwei sehr schöne Jahre in Neubrandenburg. Ende 2008 hat Herr Förster sich aus dem operativen Hotelgeschäft zurückgezogen und in Brüssel den Wunsch geäußert, dass ich sein Nachfolger werden solle. Das war für mich eine große Ehre im doppelten Sinne. Erstens, mein Mentor empfiehlt mich und zweitens, man gibt mir dieses große, wichtige Hotel, das ja sehr komplex ist - Golf, Wellness, Tagungen …. Jeder Gast, der hierherkommt ist freiwillig hier, nicht um geschäftliche Termine wahrzunehmen. Für mich war es eine herausfordernde Aufgabe, dieses Haus zu übernehmen, obwohl ich ja nie weg wollte.

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Arbeit in der Rhein-Main Region und der irischen Hotellerie machen können? Gab es Inspirationen, die Sie hier im Radisson SAS Resort Schloss Fleesensee einbringen können?
Daniel Bojahr:
Führungserfahrung. Nach meiner Ausbildung kam ich ins Rhein-Main-Gebiet. Der Barmanager kündigte und ich habe übernommen. Das war die Zeit, in der ich erste Führungserfahrung sammeln durfte. Die Zeit in Irland hat mich jedoch mehr geprägt. Ich habe Englisch gelernt. Der Aufenthalt hat mich sehr geschult im Umgang mit Menschen und der Toleranz. Als ich dort ankam, sprach ich ein wenig Schulenglisch und habe in Heathrow gemerkt, dass dies nicht ausreichte. Mein Gepäck war weg, meinen Flug habe ich verpasst und so kam ich frustriert in Dublin an. Nach einer Woche habe ich festgestellt, dass alles nur eine Frage des Selbstbewusstseins ist. Man spricht eigentlich, traut sich nur nicht. Man gab mir eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich war dort für die Veranstaltungen im operativen Wesen verantwortlich. Man gab mir ein Telefon und es war etwas knifflig, sich in gebrochenem Englisch mit Kunden zu verständigen. Das Team bestand aus fünf Russen, drei Polen, ein paar Niederländern und Praktikanten. Mit unserer typisch deutschen Art kommt man dort nicht weiter, beißt eher auf Granit. Da gibt es Attitüden, die uns fremd sind. Ich musste mich anpassen. Ich habe es dann behutsamer versucht: „… so machen wir uns die Arbeit leichter“, „Wir polieren die Bestecke gleich, damit wir uns die Hektik sparen, kurz bevor der Gast kommt“. Trotz der anstrengenden Arbeit und großen Anforderungen an die Mitarbeiter kamen zu meiner Leaving-Party 60 bis 70 Leute, was mich sehr gefreut hat. Das Leben ist etwas unkomplizierter dort und das habe ich schätzen gelernt. Dennoch bin ich froh, wieder hier zu sein, mit der Erkenntnis, dass man nicht nur straight durchs Leben geht. Es gibt nicht nur einen Weg. Man muss sich auf jede Situation und jeden Menschen individuell einstellen. Bedingt durch den Fachkräftemangel, war man bei Verfehlungen großzügiger. Ich habe gelernt, jeden Menschen individuell anzusprechen. Ich glaube ich führe auch heute meine Mitarbeiter so. Ich beschreibe das große gemeinsame Ziel, den Weg können die Mitarbeiter selbst wählen. Wird der Weg nicht gefunden, dann zeige ich ihn ein Stück weit. Da mache ich auch keinen Unterschied zwischen Abteilungsleitern und Auszubildenden.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Irish Whiskey trinken?
Daniel Bojahr: Da würde ich eher auf ein Pint Guinness plädieren. Es gibt bessere schottische Varianten. Mit wem? Ehrlich gesagt habe ich sooft die Gelegenheit. Es ist Bestandteil meines Berufs. Abends gibt es gelegentlich eine Weinschorle. Das ist aus Respektgründen und symbolisiert den Gästen, ich nehme mir die Zeit. Dann rede ich mit dem Handwerksmeister, dem Professor einer Universitätsklinik oder auch durchaus mit den Mitarbeitern. Ich genieße diese Gespräche in alle gesellschaftlichen Schichten hinein, mit denen ich zu tun habe.

Sie sind mit Leib und Seele Mecklenburger?
Daniel Bojahr: Überzeugter, ja, absolut. Aus meiner Schulklasse sind nur noch wenige hier. Die meisten haben die Region verlassen. Ich bin jetzt in dem Alter, wo ein Generationswechsel in den Unternehmen vollzogen wird. Ich kann da sehen, dass auch hier einige Leute etwas erreichen können aber das Gros ist halt weggegangen.

Sie engagieren sich für die Kampagne „Durchstarten in MV“ - wo liegen Ihre Beweggründe?
Daniel Bojahr: Wir haben den Vor- und Nachteil, dass Berlin nicht weit weg ist von hier. Berlin scheint eine Stadt zu sein, in der man wohl mal gelebt haben muss. Unsere jungen Leute und damit auch Fachkräfte zieht es nach Berlin, um dort zu arbeiten und zu leben. Ich vertrete die Auffassung, man muss mal etwas anderes erlebt haben in einem fremden Umfeld. Aber man kann auch zurück kehren, denn man kann sich auch im eigenen Land entfalten. Deshalb unterstütze ich mit meiner persönlichen Geschichte diese Kampagne. Es ist eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Es gibt auch Auszubildende, die mich drauf ansprechen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in diesem Jahr alle unsere Ausbildungsplätze besetzen konnten. Wir haben sogar zwei Auszubildende mehr eingestellt. Wir haben ein gesundes Verhältnis von 20 Prozent Auszubildenden und 80 Prozent Fachkräften bei uns im Haus.

Irland als auch Fleesensee, beide Regionen werden unweigerlich mit dem Golfspiel in Verbindung gebracht. Hand aufs Herz, wie oft spielen Sie?
Daniel Bojahr: In diesem Jahr nicht eine einzige Runde. Ich habe mir fest vorgenommen, in diesem Jahr noch einmal zu spielen. Die Abläufe im Hotel zu organisieren hat natürlich Vorrang. Einmal in der Woche eine kleine Runde zu spielen nach Feierabend, das wäre schon schön, ist aber selten machbar. Auf dem Golfplatz lernt man Demut, wenn man zu ehrgeizig daran geht, wird das Golfspiel nicht besser. Ich habe ursprünglich aus Zwang angefangen. In einem Hotel, das stark von Golfern frequentiert wird, sollte man sich mit den Bahnen auskennen, um mitzureden. Erfreulicherweise habe ich am Golfspielen Freude gefunden.

Welche Hobbys haben Sie? Engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Daniel Bojahr: Alle, die in einer Führungsposition tätig sind, haben eine knapp bemessene Zeit. In meinem Beruf gab es noch nie Zeiten für Mannschaftssport. Wenn die anderen trainierten, war ich arbeiten. Es gibt schon eine Vielzahl von Dingen, die ich gern mache aber nicht mit so großer Leidenschaft, dass ich stundenlang damit verbringe. Ich fahre gern mit dem Rad und versuche möglichst viel Zeit mit meinem inzwischen sechs Jahre alten Sohn zu verbringen. Das ist zwar kein Hobby aber ich genieße meine Freizeit mit ihm sehr gern. Manchmal ist es Wassersport, mal ist es das Joggen. Selbstverständlich ist das Lesen für mich. Am Abend wird mindestens eine halbe, dreiviertel Stunde gelesen, sonst bekomme ich die Augen gar nicht zu. Unser Hotel engagiert sich für die Warener Tafel. Wir unterstützen das Leserhilfswerk des Nordkuriers.

Wo lassen Sie Ihre Seele baumeln?
Daniel Bojahr: In dem Moment, wo ich zu Hause bin, lasse ich meine Seele baumeln. Die 20 Kilometer Heimfahrt nach Waren sind für mich die Zeit, um mich geistig „runterzufahren“. Wenn ich Daheim bin, haben wir unser Stammcafé, wo wir jeden Sonntagnachmittag mit Müritzblick bei unserem lieben Freund Thomas Kaffee trinken und Kuchen essen. Mitten im Herzen des Müritznationalparks gibt es den Havelkrug in Granzin. Dort sind wir auch gerne. Das ist ein hervorragendes Restaurant mit einem Pizzaofen auf der Terrasse, und das ist echt Urlaub dorthin zu fahren. Im Januar gibt es einmal Skiurlaub.

Worauf legen Sie bei Ihren Mitarbeitern großen Wert?
Daniel Bojahr: Ich schätze die Einstellung eines Mitarbeiters, wenn jemand sagt, „… Ich schlage vor, das so und so zu tun, ist das in Ordnung?“ Eigene Entscheidungen zu treffen, die vom Team getragen werden, sind mir wichtig bei unseren Mitarbeitern. Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit erwarte ich durch alle Hierarchiestufen hindurch. Erst recht von den Abteilungsleitern. Sie sind die Profis in ihrem Fachbereich und ich bin der Regisseur. Meine Aufgabe ist die Kontrolle jeder Abteilung. Wir sind bei allen Dingen, die wir tun live vor den Gästen. Wir haben 178 Zimmer, das sind 178 geschlossene Türen und jeder Gast, der ein Zimmer betritt, hat eine sehr hohe Erwartungshaltung. So ist es auch für unsere Hausdame sehr hilfreich, wenn wir gemeinsam einmal durch die Zimmer gehen. Einfach, weil wir dann auch gewisse Dinge feststellen können. Die Zimmer immer staubfrei zu halten, ist eine Grundvoraussetzung, die als Selbstverständlichkeit gilt. Nur wenn ich mich um diese Dinge kümmere, kann ich mich auch der Kür widmen. Mystery-Guests werden regelmäßig vom Konzern eingesetzt. Aus qualitativer Perspektive und auch unter dem Gesichtspunkt Sicherheit werden sie bei uns eingesetzt. Wir sind daher in diesem Bereich trainiert und unsere Aufmerksamkeit gegenüber diesen Dingen wird geschult. Ich habe mit Freude festgestellt, wir uns verbessert haben, seitdem wir uns auch mit dem Thema Sicherheit beschäftigen. Wir hoffen, dass wir in MV nicht im Fokus terroristischer Anschläge befinden, aber auch Feuer ist nicht zu unterschätzen als Sicherheitsrisiko für die Gäste. Wir sind ISO zertifiziert.

Gibt es Fehler, die Sie verzeihen können?
Daniel Bojahr: Eigenschaften wie Unfreundlichkeit, mangelnder Respekt voreinander oder mangelnde Toleranz, die finde ich nicht begrüßenswert. Da gehe ich auch gegen vor. Man muss Stärken und Schwächen anderer Menschen akzeptieren aber auch tolerieren.

Nennen Sie mir wirtschaftliche Vorteile der Müritzregion/Seenplatte?
Daniel Bojahr: Ich war sehr überrascht, wie viel Wirtschaftskraft hier vorhanden ist. Das habe ich früher gar nicht so wahrgenommen. Mir war nicht bewusst, dass wir Weltmarktführer in der Region haben. Ich finde unsere Region bietet sehr viel, was auch Wirtschaft begünstigt. Das ist Sicherheit, es ist ein gewisses Umfeld der Infrastruktur, es sind kulturelle Angebote und auch Schulbildung für Kinder. All diese Dinge machen eine Region lebenswert. Ich finde, die meisten Punkte erfüllen wir. Die Natur, die Ruhe aber auch die Neubrandenburger Philharmonie, die mir ein kulturelles Erlebnis bietet, gehören ebenfalls dazu. Genauso wie die vielen kleinen Initiativen, ob es eine Hörspielkirche in Federow ist oder das alljährliche Kranichspektakel. Man darf es nicht auf das Angebot einer Diskothek reduzieren. Hier wird definitiv viel geboten. Das sind sehr gute Rahmenbedingungen, Unternehmer davon zu überzeugen hierher zu kommen. Dann müssen natürlich auch politische Signale vorhanden sein, die der Wirtschaft signalisieren, dass sich hier gute Geschäfte machen lassen.

… und welche Nachteile?
Daniel Bojahr: Ich finde, Behörden aber auch Politik müssen punktuell mehr als Dienstleister tätig werden. Hier gibt es Nachholbedarf. Was uns wirtschaftlich noch weiter voranbringen könnte – hier beziehe ich mich auf Dienstleistungen und den Tourismus – ist ein verbessertes Zusammenarbeiten einzelner Verbände. Viele Initiativen hatten ihre Daseinsberechtigung, haben sie teilweise noch immer. Ich glaube, wenn man sie zusammenfasst, werden sie schlagkräftiger. Ich rede von den verschiedensten Tourismusverbänden und Kur- und Tourismusorganisationen in den Kommunen. Es gibt hervorragende Beispiele anderer Regionen, die viel größer sind als unsere hiesige, die mit einem gemeinsamen Markenauftritt auf sich aufmerksam machen. Dem Gast ist egal, wo die Mecklenburgische Seenplatte aufhört und die Mecklenburgische Schweiz beginnt. Warum müssen hier Grenzen gezogen werden? Das ist ein Verbrennen von Ressourcen. Die regionalen Tourismusverbände sollten entsprechend finanziell ausgestattet sein.

Sie dürfen orakeln. Wie wird sich Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten fünf Jahren wirtschaftlich entwickeln? Welche Steine müssen dafür aus dem Weg gerollt werden?
Daniel Bojahr: Das wirtschaftliche Niveau von Mecklenburg-Vorpommern wird relativ stabil bleiben. Der Tourismus hat Potenzial, ist aber zum Jo-Jo in den letzten Jahren geworden. Mit dem „Arabischen Frühling“ konnten wir eine enorm große Nachfrage verzeichnen. Wir hatten einen verregneten Juli und August und schon geht die Nachfrage zurück. Wenn wir das Niveau halten und punktuell verbessern, gibt es in der Seenplatte noch Wachstumspotenziale. Der demografische Wandel muss gemeistert werden. Die berufliche Freizügigkeit hat nicht den gewünschten Effekt gebracht. Vor sieben Jahren wollte niemand, dass polnische Arbeitskräfte nach Deutschland kommen, weil wir hier Angst um die Jobs hatten, heute ist es zu spät und die Betriebe beklagen den Fachkräftemangel. Wir werden sicher in den nächsten Jahren auch osteuropäische Auszubildende haben. Das duale Ausbildungssystem ist ein international anerkanntes System und meiner Überzeugung nach eines der besten Systeme. Die Berufsfachschulen sind allerdings nicht gut ausgestattet. Dort wird stellenweise an der Wirklichkeit vorbeigearbeitet. Die jungen Menschen erlernen zum Beispiel nicht den Umgang mit gängiger Hotelsoftware. Sportunterricht mit Volleyballspielen – warum? Sportunterricht mit Selbstverteidigung für junge Servicekräfte – ja, warum nicht! Dies sei nur ein Beispiel. Warum nicht Freundlichkeit, Auftreten - die wichtigen Tugenden in der Hotellerie trainieren? Eine Hotelfachfrau braucht natürlich gastronomische Grundkenntnisse, aber sie muss keine Oberschale vom Kalb kennen. Die Hotelfachfrau wird heute im Marketing gefordert. Sie muss ihr Produkt verkaufen können. Sicher kann man auch lernen, ein Hemd zu bügeln. Aber die Branche greift hier auf Dienstleister zurück und unter dem Gesichtspunkt werden die Schwerpunkte in der Ausbildung im Moment nicht am Bedarf orientiert. Letztlich werden in Zukunft in der Eckkneipe ungelernte Kräfte tätig sein und die Fachkräfte in den größeren Häusern. Sicher braucht man die Grundkenntnisse. Aber nur wenn ich weiß, wie ein Tisch gedeckt wird, kann ich mit Kreativität Konventionen brechen. Das sind dann die hippen Restaurants. Wer heute in ein Restaurant geht, geht ja nicht dorthin, um satt zu werden, sondern der nette Abend steht im Vordergrund, man will am Tisch agieren, Emotionen verarbeiten.

Waran liegt das? Fehlt hier die Kommunikation?
Daniel Bojahr: Nein, wir haben einen sehr engen Kontakt zur Berufsschule. Wir haben auch den Erfahrungsaustausch. Mein Anliegen bleibt dort auch nicht ungehört. Sie sind offen für Neues, vielleicht etwas langsam in der Umsetzung. Wobei es auch Rahmenlehrpläne gibt, die auch umgesetzt werden müssen. Auch diese werden zu langsam an den Bedarf der Unternehmen angepasst.

Was macht Daniel Bojahr in fünf Jahren?
Daniel Bojahr: Ich werde mich unverändert an dieser Stelle befinden und an meinen Aufgaben gewachsen sein.

Sie haben 15 Sekunden Zeit, mir drei Unternehmerpersönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern zu nennen, vor denen Sie den Hut ziehen.
Daniel Bojahr:
Das kann ich nicht. Ich muss eine ganze Fraktion von Unternehmern benennen. Ich ziehe den Hut vor all denjenigen, die mit ihrem privaten Geld in ein unternehmerisches Risiko eingehen. Ich selbst vertrete das Geld anderer Menschen und erhalte mein Gehalt. Das mache ich sehr gerne. Ich gehe mit dem Geld verantwortlich um, als wäre es mein eigenes. Dem Mut zum Risiko, das viele Menschen eingegangen sind, die ein eigenes Unternehmen gegründet oder übernommen haben, gehört mein großer Respekt.

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