Folge 21

Carina Benkert - Von der gesundheitlichen Herausforderung zum Unternehmenskonzept

101 Köpfe | 24.11.2017

Carina Benkert stellt in Dargung Naturkosmetik her.
weitere Bilder
Carina Benkert stellt in Dargung Naturkosmetik her.

Naturkosmetik – das geht nur ganzheitlich, so denkt Carina Benkert und lebt es mit dem Darguner Team vor. Seit 2010 befasst Carina Benkert sich mit der Herstellung von Naturkosmetikprodukten. Seit drei Jahren aber erst hauptberuflich. Sie lädt mich freundlich zu einem Plausch über sich und Ihr Unternehmen.

Ein zarter Duft umfängt mich, als in den Laden von Carina Benkert betrete – es ist ein ganz anderer Duft als in einer der großen Parfümerien – irgendwie so zart, rein, natürlich. Gerade ist sie noch im Gespräch mit einer Kundin, ich lasse den Laden einen kurzen Moment auf mich wirken, während sie ihre Kundin verabschiedet. Die Einrichtung ist natürlich und klar strukturiert. Eine historische Kasse ziert den Verkaufstresen und rund herum sind Prospekte befreundeter Unternehmen und aus der Region platziert. Im Eingangsbereich steht ein Holzfahrrad. Ein historischer Büffetschrank ziert die Wand, die offene Schublade lässt den Blick auf eine Sammlung alter Seifen fallen. Die Waren werden übersichtlich in Holzregalen präsentiert. Es sind ziemlich viele Produkte. Das hätte ich so nicht erwartet. Rechts steht noch ein Tisch, auf dem getrocknete Planzenteile und Prospekte meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Mein Blick gleitet nach links. Dort befindet sich die Schaumanufaktur. Sie ist durch hüfthohen Raumteiler aus Holz vom Verkaufsraum abgetrennt. Auf dem Arbeitstisch liegt noch ein wenig Material, dass die Geschäftsinhaberin gerade noch für die Herstellung einer Creme benutzt hatte. In einem Regal mit handgefertigten Kosmetika stehen auch Glasballons mit wertvollen Ölen, säuberlich beschriftet.

Frau Benkert, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit Naturkosmetik zu befassen?

Ein Familienmitglied hatte trockene Haut und die damit einhergehenden Probleme. Da habe ich Vieles versucht, Linderung zu verschaffen und bin so zur Naturkosmetik gekommen. Der Erfolg stellte sich ein. Meine Devise lautet „Weniger ist mehr“ und seither verzichten wir auf industriell gefertigte Kosmetikprodukte und achten auch sonst darauf, wo wir was kaufen. Für mich hat sich damit eine neue berufliche Perspektive eröffnet, die mir sehr viel Freiraum für Kreativität lässt und Freude bereitet. Meine Familie zieht richtig mit. An den Wochenenden sind wir oft auf Messen unterwegs oder ich gestalte samstags Workshops hier in der Schaumanufaktur. Mein Mann ist mein größter Kritiker, wenn ich ein neues Produkt entwickelt habe.

Müssen die Produkte eigentlich zugelassen werden?

Es gibt eine ganze Reihe an Normen, Gesetzen und Vorschriften, die beachtet werden müssen, bevor ein Produkt in den Handel gelangt. Dazu zählen die Europäische Kosmetik-Verordnung und die deutsche Verordnung über kosmetische Mittel. Wir arbeiten sehr eng mit einem Institut in Bayern zusammen. Dort wird eine Sicherheitsbewertung der Produkte vorgenommen. Die Rezepturen müssen auch eingereicht werden. Wir haben die Anforderungen sichtbar auf unseren Produkten zu deklarieren und müssen alles 10 Jahre lang zu jeder Charge aufbewahren. Wenn eine Änderung erfolgt, dann hieße das gleich, es müsste neu beantragt werden, um in den Verkauf zu kommen. Jedes Produkt kostet so ca. 300,00 Euro aufwärts. Bei ca. 100 Produkten, die wir inzwischen herstellen, können Sie sich das Investitionsvolumen sicher Vorstellen, das Sie hier im Laden sehen.

Sie unterstützen eine Schule in Uganda, wie ist es dazu gekommen?

Im Februar 2017 sind wir auf Eigeninitiative nach Uganda gereist. Die Ostseemühle aus Langenhanshagen – wir kennen uns schon seit längerem - hatte mich auf Uganda aufmerksam gemacht und auf Lydia Nakayenze vom Fraunhofer Institut in Leipzig. Sie lebt seit mehr als 10 Jahren in Deutschland und vermittelt Wirtschaftskontakte in Ihr Heimatland. Sie hatte berichtet, dass die Sheabutter aus Uganda eine ganz besonders gute Qualität hat. Also war ich neugierig. In Pader haben wir viel gelernt und eine ganz andere Welt erlebt aber auch von unserem Wissen preisgegeben. Die Sheabäume oder auch Karitébäume genannt, stehen dort in der Landschaft – nicht in Rei und Glied wie auf einer Plantage, sondern weitläufig in der Landschaft. Als wir ankamen, standen die Bäume in Blüte. Es dauert übrigens 30 Jahre bis ein Baum Früchte trägt. Die Frauen der Produktionskooperative Blessed Organic Relaese sammeln in der Erntezeit die Nüsse vom Boden auf. Sheanüsse erinnern optisch ein wenig an unsere Kastanien. Die Nüsse werden zu sechs verschiedenen Qualitäten gemahlen. Die Qualität hat mich wirklich überzeugt. Diese kaufe ich nun direkt von der Kooperative ohne Zwischenhändler zu Fair Trade Preisen. Von jedem verkauften Sheaprodukt gehen 50 Cent an eine Schule in der Region Pader mit rund 1.147 Kindern in acht Klassen.

Ich bin dort auch auf dem Moringabaum aufmerksam geworden. Der Baum ist ein wahrer Energielieferant. Die Inhaltsstoffe sind gesundheitsfördernd und vitaminreich. Sie besitzen viele Antioxidantien, so dass er in der Literatur schon als die wichtigste Pflanze der Menschheitsgeschichte gilt. Ich selbst rühre mit morgens ein wenig davon in den Smoothie.

Welche Produkte stellen Sie her?

Wir produzieren ca. 30 verschiedene Produkte mit insgesamt 100 Sorten – also in verschiedenen Duftsorten oder etwas abweichenden Ingredienzien. Seifen, Duschbad, Badeöle, Badekugeln, Peelings und Gesichtsreinigungs- und -pflegeprodukte, Cremes, Shampoo Bars, Deosticks, Herrenpflegeprodukte und Kinderpflegeprodukte. Bis hin zur Lippenpflege haben wir alles im Repertoire außer Zahnreinigungsprodukte. Alle Produkte sind vegan.

Nicht unwesentlich ist ja die Verpackung …

Ja, da habe ich mir viele Gedanken zu gemacht. Natürliche brauchen unsere Produkte eine Verpackung, Sie sollte nachhaltig sein und natürlich die Produkte optisch ansprechend präsentieren sowie dem Verpackungswahn etwas entgegensetzen. Also fing ich an zu recherchieren und habe Kontakte gefunden, die es mir ermöglichen konnten, meine Vorstellungen zu realisieren. Um die Herstellung zu finanzieren, haben wir eine Crowdfunding Kampagne auf www.StartNext.com initiiert und waren damit erfolgreich. Wir nutzen Biokunststoff aus Zuckerrohr für Duschgels, Verpackungen aus Papier für Deo- und Lippenpflegestifte, Tiegel aus Glas als Pfandsystem für Cremes und Peelings. Wir können heute weitestgehend auf Kunststoffe verzichten. 

Wie haben Sie den Vertrieb aufgestellt?

Direkt im Ladengeschäft in Dargun sind unsere Produkte erhältlich und natürlich in unserem Online-Shop. Auch einige befreundete Unternehmer haben unser Sortiment bei sich ins Portfolio aufgenommen. Ganz wichtig sind für uns die Märkte und Naturprodukte- oder „Vegane Messen“ in Hamburg, München Hannover. Sehr gern würden wir Hotels beliefern, die nachhaltig oder vegan ausgerichtet sind oder großen Wert auf regionale Produkte legen. Wir werden aufmerksam den Markt beobachten und uns engagieren. Was uns weiterbringt, sind natürlich Sendungen wie Plietsch im NDR

zurück drucken verlinken

Mehr zum Thema

MV ist 10. Trägerland der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen  Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe hat die Beitrittsurkunde des Landes in die Akademie für Öffentliches Gesundhei

Nach einem einstimmigen Landtagsbeschluss im Dezember hat Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe die Beitrittsurkunde des Landes in die Akademie für ... [ zum Artikel » ]

Präventionspreis Mecklenburg-Vorpommern vergeben Foto: dolgachov/iStock/Thinkstock

„Potentiale der Gesundheitsförderung in Städten und Gemeinden“ stand als Thema im Mittelpunkt der Landesgesundheitskonferenz am Montag in Güstrow. [ zum Artikel » ]

Welche Strategie braucht der MV-Tourismus? Ludwig-Bölkow-Haus, Foto: IHK zu Schwerin

Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin hat am 5. Juli 2018 branchenübergreifend den vorliegenden Entwurf der Landestourismuskonzeption analysiert. [ zum Artikel » ]

Vermarktung regionaler Produkte der Insel Rügen Foto: LebensGut Frankenthal e.V. Bereits zum siebten Mal fand in diesem Jahr das Frühlingsfest statt, bei dem sich regionale Anb

Der LebensGut Frankenthal e.V. bei Samtens auf der Insel Rügen will mit eigenen ökologisch erzeugten Produkten und Markttagen auf eine nachhaltige Wirtschafts- und ... [ zum Artikel » ]

Minister lobt Wettbewerb zur Vermarktung regionaler Produkte aus Regionalproduktemesse Vorpommern; Fotos: Gudrun Stark

Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dr. Till Backhaus, lobt einen Wettbewerb „Klein, aber fein aus MV“ aus. Ziel ist das Finden neuer Absatzwege für ... [ zum Artikel » ]

Boots- und Yachtbauunternehmen errichtet Betriebsstätte in Malchow Fördermittelbescheid; Foto: Gudrun Stark

In Malchow entsteht derzeit eine Betriebsstätte für den Boots- und Yachtbau. Bootsbaumeister Martin Kock hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und baut ... [ zum Artikel » ]

101 Köpfe

Teaser 101 Koepfe

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern kennen!

B4B MECKLENBURG-VORPOMMERN stellt Ihnen in erfrischend kurzen, jedoch umso unterhaltsameren Interviews die interessantesten Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Sport und  Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern vor. Lernen Sie die Region und Ihre Persönlichkeiten von einer anderen Seite kennen.

Noch Fragen?

noch fragen 101 Köpfe

Sie kennen einen interessanten "Kopf" aus Mecklenburg-Vorpommern, den es sich zu fragen lohnt?

Dann schicken Sie uns eine E-Mail!

Bücher aus der Region

Wer kämmt das Haar in der Suppe? © EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

(lifePR)  Da muss man erst mal drauf kommen, um solche lebensklugen, witzigen, wortspielerischen und auch zungenbrecherischen Texte zu verfassen. Gabriele Berthel hat es gekonnt getan und sie 2004 unter dem originellen Titel „Wer kämmt das Haar in der Suppe?“ veröffentlicht – zusammen mit den ebenso poetischen wie zugleich kraftvollen Illustrationen von Helga Kaffke. Lange war der Vergnügen stiftende Band vergriffen.