Folge 2

Benedikt von der Decken

101 Köpfe | 07.06.2010

Benedikt von der Decken
Benedikt von der Decken

Der Geschäftsführer der Creditreform Mecklenburg-Vorpommern, über Arbeitsstrategien, Existenzgründertipps und seine ganz persönlichen Vorstellungen vom "loslassen".

Herr von der Decken, auch Sie begehen das 20jährige Jubiläum in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist eine Zeit, Vieles Revue passieren zu lassen und auch nach vorn zu schauen. Gibt es Ereignisse, die Sie gern noch einmal erleben möchten? Welche haben Sie besonders stolz gemacht?

Wir haben viel erreicht in den letzten 20 Jahren; unser größter Erfolg ist die Fähigkeit zum stetigen Wandel und die permanente Verbesserung unserer Dienstleistungen für unsere Kunden. Das kann nur in einem guten Arbeitsklima gelingen und auch darauf bin ich stolz: ich kann offen und ehrlich mit meinen Mitarbeiter/ -Innen reden und bekomme offene und ehrliche Antworten. Das ist die Vorraussetzung einer stetigen Qualitätskontrolle für unseren Dienst am Kunden. Bei einer Umfrage unter unseren Kunden vom Verband der Vereine Creditreform belegten wir von 130 Geschäftsstellen in Deutschland jeweils einen der ersten drei Plätze in den Kategorien „Kundenzufriedenheit und Beratungsqualität“. Eine bessere Bestätigung für unsere persönliche Betreuung vor Ort kann man sich nicht wünschen.

Der Grundstein wurde in einer Umbruchzeit gelegt. Haben Sie einige Eckdaten, die verdeutlichen, wie sich die Wirtschaft innerhalb dieser 20 Jahre verändert hat?

Aus der „wilden“ Anfangszeit ist ein solider, bodenständiger Mittelstand in M-V gewachsen. Dieser Mittelstand zeigt uns in den jüngsten Analysen, dass er auch mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise gut umgehen kann.

Ich persönlich habe den Eindruck, dass sich die Zahlungsmoral der hiesigen Unternehmen gebessert hat, im Vergleich zu den 90er Jahren, täusche ich mich oder sind Unternehmer „hanseatischer“ geworden?

Ja, in der Tat. Nachdem sich das Zahlungsverhalten in der Rezession von 2009 leicht verschlechtert hatte, machen Lieferanten und Leistungserbringer nach unseren Befragungen nun wieder gute Erfahrungen mit der Zahlungsweise der Kunden. Fast drei Viertel der Unternehmen erhalten nach spätestens 30 Tagen (ausgenommen die öffentliche Hand) den vereinbarten Rechnungsbetrag. Das erhöhte Risikobewusstsein bei Geschäftstransaktionen und ein wirkungsvolles Forderungsmanagement verhinderten den für Krisen typischen Einbruch im Zahlungsverhalten.

Im Alter von 35 Jahren haben Sie sich Ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gestellt - haben sich Ihre Erwartungen aus den Jahren 1998 die wirtschaftliche Entwicklung der Region betreffend, erfüllt oder sind Sie irgendwann in der Realität angekommen? Haben die Themen sich geändert?

Die wirtschaftliche Entwicklung ist sehr positiv, es wurde enormes geleistet! Dennoch darf man das vergleichsweise geringe wirtschaftliche Niveau von dem wir gestartet sind nicht vergessen und so spielen wir in M-V in absoluten Wirtschaftskennziffern gemessen eben in der 2. Bundesliga.

Welche Arbeitsstrategie passt am besten zu Ihnen: „Erst die schwierigen Themen vom Tisch oder für die lass ich mir mehr Zeit“?

Die dringendsten Probleme gehe ich sofort an. Allerdings bin ich ein ausgeprägter Teamplayer und beziehe bei weitreichenden Entscheidungen mein Führungsteam und meine MA mit ein.

Als Diplom-Betriebwirt haben Sie sicher ein Faible für Zahlen, wie viele Telefonnummer können Sie auswendig wählen und haben Sie auf Anhieb statistisches Material in Gesprächen bereit, auf das Sie spontan zurückgreifen können?

Die wichtigsten Telefonnummern habe ich im Kopf, aber auch ich bin ein Opfer der Technik und habe meine Arbeit mit elektronischen Helfern (Smartphone!) organisiert die nicht gerade das Zahlengedächtnis unterstützen.

Sie sind auch als Mentor für Start ups tätig. Sie haben das Unternehmen Statistik Consult beraten. Wie kamen Sie dazu? Hat Ihnen die Beratung auch persönlich etwas gebracht? Welche Tipps geben Sie Existenzgründern grundsätzlich mit auf den Weg?

Die Vermittlung erfolgt über das Mentoring-Programm. Das ist eine sehr gute und erfolgreiche der Landesinitiative um gründungswilligen, begabten, jungen Menschen den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Ein beratendes Engagement für Exgründer bringt dem Mentor auch immer etwas, z.B. neue Ideen, Verständnis für die Herausforderungen aus Exgründersicht, Horizonterweiterung durch das Befassen mit anderen Themen. Tipps gebe ich natürlich zu meinem Fachgebiet Risikomanagement, aber auch meine Erfahrungen als selbstständiger Kaufmann teile ich gerne mit den Mentees.

Wie bewältigen Sie einen Tag, der meistens von morgens bis abends durch Ihren Terminkalender diktiert wird?

Jeder Tag ist anders und das macht den Reiz der Aufgabe aus! Von analytischen Tätigkeiten, bis zu Kundengesprächen und Mitarbeiterinformationen, überhaupt spielt die Kommunikation die größte Rolle in meiner Aufgabe. Bei der Organisation von Terminen und Projekten gehe ich nach Prioritäten vor und versuche möglichst viele Angelegenheiten in persönlichen Gesprächen vor Ort zu erledigen, dadurch bin ich viel unterwegs.

… und wie entspannen Sie am besten nach so einem Tag, können Sie nach Hause kommen und Ihre Arbeit loslassen?

Entspannen kann ich am besten im Familienkreis, beim „puzzeln“ im Garten oder beim Laufen, viel zu selten komme ich zum Golfspielen

Welches Buch hat Sie gerade fasziniert bzw. lesen Sie gerade?

Derzeit lese ich: „Wendepunkte, Schlüsselentscheidungen im zweiten Weltkrieg“ von Ian Kershaw. Darin vermittelt der Historiker Ian Kershaw dem Leser einen einzigartigen Eindruck davon, wie groß der Entscheidungsspielraum der einzelnen Politiker tatsächlich war und welche Rolle ihre ganz individuelle Persönlichkeit spielte

Gibt es Dinge, für die Sie gar kein Verständnis haben oder die Sie gar nicht mögen?

Illoyalität und Egoismus mag ich gar nicht.

Gibt es einen Ort, an dem Sie sich 60 Minuten aufhalten können und nichts tun, außer Ihren Gedanken nachzuhängen?

Ja, da gibt es mehrere Orte: vor dem Kamin mit einem guten Whisky oder im Strandkorb mit einem guten Buch.

Sie dürfen orakeln. Wie wird sich Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

MV wird sich weiter positiv entwickeln, wenn auch in einem schwierigem Umfeld und ich hoffe das sehen auch immer mehr Menschen so. Die größten Herausforderungen aus meiner Sicht sind Antworten auf den demographischen Wandel zu finden und auch die wirtschaftliche Entwicklung weiter gezielt voran zu treiben. Da wir strukturelle Defizite haben, wünschte ich mir manchmal mehr konzertierte Dynamik und Mut um die Aufgaben zu bewältigen, hier sehe ich noch Potentiale um unseren Aufholprozess zu beschleunigen.

Sie haben 15 Sekunden Zeit, mir drei Unternehmerpersönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern zu nennen, vor denen Sie den Hut ziehen.

Anstelle von Persönlichkeiten möchte ich hier lieber die Erfolge des Mittelstandes in MV anführen vor denen ich den Hut ziehe. Als Wirtschaftsauskunftei haben wir bei Creditreform einen sehr guten Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung im Lande und deswegen haben die mittelständischen Unternehmen meinen vollen Respekt für ihre erzielten Leistungen der vergangenen Jahre. Wir könnten auch noch mehr Unternehmerpersönlichkeiten gebrauchen die es verstehen ihre Unternehmensziele mit den Interessen dieses schönen Bundeslandes zu verbinden!

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