Folge 19

Andreas Pörsch: Vorpommerscher Unternehmer fordert das Meer heraus

101 Köpfe | 20.12.2016

Geschäftsführer Andreas Pörsch; Foto: Gudrun Stark
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Geschäftsführer Andreas Pörsch; Foto: Gudrun Stark

Die HAB Hallen- und Anlagenbau GmbH entwickelt und fertigt kundenspezifische Lösungen für Industrie- und Wirtschaftsbauten. Des Weiteren hat sich das Unternehmen auf Sonderbauten im industriellen Stahlbau und Freizeitbau spezialisiert. Projekte im alternativen Energiesektor, wie ein Wellenenergieumwandler, ergänzen das Portfolio. Im Interview: Geschäftsführer Andreas Pörsch …

Wie kam es, dass HAB als klassischer Stahl- und Hallenbauer sich im Bereich der erneuerbaren Energien positionierte?

Pörsch: Ausgangspunkt war ein Gespräch mit einem hervorragenden Ingenieur, der uns Einblicke gab, wie viel Energie im Meer steckt. Ich erkannte für unser Unternehmen die Chance, ein eigenes Produkt hier in Vorpommern zu entwickeln. Unsere Nähe und große Affinität zum Wasser gleichen bei der Realisierung derartiger Projekte die vergleichsweise ungünstige territoriale Lage aus. Der Erfolg, den wir im touristischeren Bereich mit der Tauchgondel hatten, beflügelte unsere Freude an Investitionen. 2010 haben wir der Entwicklung zugestimmt und ein Team aufgebaut, das die Herausforderungen annahm und Lösungen entwickelte. 

Die erste Entwicklung, der Meereswellenschwimmergenerator ist ja 2013 nicht nur sprichwörtlich auf Grund gelaufen, warum haben Sie den Kopf nicht in den Sand gesteckt?

Pörsch: Zuerst war es natürlich für uns ein Rückschlag und hat auch wirtschaftlich wehgetan, dass unsere Entwicklung fast ein Jahr verschwunden war und wir die Ursachen nicht ergründen konnten. Letztlich war ein Investitionsvolumen in Höhe von 500.000 Euro weg. Hinzu kamen Kosten für die Suche per Flugzeug und via Schiff. In der Folge verloren auch die Investoren den Glauben an uns. Doch wir haben gesagt „Jetzt erst recht.“ Die Neugierde und die Ver-lockung etwas Außergewöhnliches zu schaffen, sind für uns eine große Triebfeder. Als Unternehmer von hier habe ich aber auch eine Vision: Eigene Produkte in unserer ländlich geprägten Region zu entwickeln und zu vermarkten, sind die Basis für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg und gut bezahlte Jobs für die Menschen hier vor Ort. Das ist der Beitrag den wir leisten können und wollen. Das Know-how dazu haben wir und darauf bauen wir nun auf. Natürlich haben nach unserem Rückschlag die gesamte Konstruktion überdacht und im Ergebnis die CX2-Energieboje entwickelt. 

Können Sie die Funktionsweise kurz für unsere Leser umreißen?

Pörsch: Kurz gesagt, nutzen wir die Bewegung der Meereswellen, also den Höhenunterschied zwischen Wellenberg und Wellental, um über einen Triebstock eine rotierende Bewegung am Generator zu erzeugen, der letztlich kinetische in elektrische Energie umwandelt. Dafür haben wir unter anderem auch einen den patentierten Sauganker entwickelt. Das ist einen Hohlkörper, der durch Unterdruck und den darüber befindlichen Wasserdruck Anlagen auf geeigneten Meeresböden sichert. Damit kann nicht nur unsere Energieboje einfach, sicher und ohne Schäden am Meeresboden befestigt werden. Von 2013 bis heute haben wir viele Testreihen durchgeführt. Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend. 

Wann wollen Sie den nächsten Schritt in der Entwicklung zum Produkt gehen?

Pörsch: Die Erprobung unter Offshorebedingungen wollen wir nach dem Winter 2017 beginnen. Bedauerlicherweise haben wir im Moment wenig Chancen, Fördermittel zu akquirieren, die notwendig wären, da allein das Ausbringen einer Energieboje und die Testreihen ein Investitionsvolumen im 6-stelligen Bereich erfordern, das wir zuvor erwirtschaften müssen. Die Entwicklung vom Prototyp zum serienreifen Produkt sowie die dazugehörenden Tests sind nach EU Richtlinie leider nicht fördermittelkonform. Wir haben natürlich auch an Schweriner Ministerien appelliert und Potenziale aufgezeigt. Dort wird zurzeit geprüft, ob es Chancen gibt. Kern des Problems ist unter anderem, dass es weltweit noch keinen technologischen Durchbruch zur Umwandlung der Meeresenergie in elektrische Energie gibt. Viele Prototypen und interessante Lösungsansätze werden erforscht, doch noch fehlt der Erfolg, wie wir ihn im Bereich der Windkraftenergie erlebt haben. Doch wir arbeiten mit Hochdruck daran und sind sehr optimistisch, dass wir den Durchbruch schaffen können. Denn das Energiepotenzial der Meereswellen ist enorm. Gerhard Brandl* schätzt es auf 80.000 TWh, der weltweite Strombedarf liegt bei 20.000 TWh jährlich. 

Wann rechnen Sie mit der Marktreife der Boje?

Pörsch: Wir investieren jährlich rund eine viertel Million Euro. Das ist nicht wenig für ein Unternehmen unserer Größe hier im Nordosten. Gesetzt den Fall es wäre möglich Fördermittel zu erhalten, könnten wir die Entwicklungszeit halbieren, weil wir das Team sofort verdoppeln und unsere Partner finanziell besser ausstatten könnten. Dann reden wir über eine 50 oder 100 kW-Boje im Jahr 2018 und eine Serienreife im Jahr 2019. Gelingt es uns nicht, Unterstützung von der Politik zu bekommen, dann sprechen wir über 2020 oder 2021.

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